Denkmal des Monats - November 2018

Ostwestfalen Lippe
Puppenmuseumscafé, Ritterstraße 38 (Minden)

Das Gebäude wurde 1599 errichtet. Dies wurde durch eine dendrochronologische Untersuchung der Dachbalken herausgefunden. Es war ursprünglich im Inneren kaum unterteilt, so dass im Erdgeschoss nur eine Wand stand. Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist nicht bekannt. Es scheint, dass zunächst nur das Erdgeschoss, vielleicht als Schreibstube, genutzt wurde. Eine Ladeluke im Obergeschoss lässt vermuten, dass das Obergeschoss und das Dachgeschoss als Lager dienten. In jedem Fall legt die aufwendige Ausführung des Gebäudes bei seiner nur sehr kleinen Grundfläche nahe, dass es für eine besondere Nutzung errichtet wurde.

Das zweistöckige Fachwerkgebäude aus insgesamt acht Gebinden ist trotz vieler Veränderungen in seiner über 400-jährigen Baugeschichte recht gut erhalten. Hierbei sind die Balken des Obergeschosses und des Dachgeschosses aufgelegt, so dass sie leicht auskragen, also aus der Fassade hervorspringen.

Die nördliche Traufwand wurde als Schaufront ausgebildet. Das Obergeschoss ist nach Freilegung der Fachwerkkonstruktion hier klar in seinen sieben Achsen ablesbar. Fünf davon sind heute mit Fenstern versehen. Das früher mit einer Ladeluke versehene Gefach ist heute zugemauert, verputzt und trägt die Aufschrift Puppen-Museums-Cafe. Die direkt darüber liegende ehemalige Ladeluke des Dachgeschosses ist heute mit einem Fenster versehen. Doch durch die oberhalb erhaltene Seilrolle ist die frühere Funktion leicht vorstellbar.

Das ebenfalls aus sieben Gefachen bestehende Erdgeschoss hat heute fünf Fenster wobei die beiden westlichen (rechten) fast über die gesamte Geschoßhöhe gehen. Sie erinnern dadurch noch an das frühere Schaufenster. Der Eingangsbereich nimmt zwei Gefache in Anspruch. Jedoch sind Tür und Türgewände nicht mehr im Original überliefert, sondern aus einem anderen Haus wiederverwendet. Bei der Sanierung des Gebäudes Ende der 1970er Jahre wurde hier die zweiflügelige Haustür aus dem Haus Priggenhagen 5 samt der Türumrahmung (Gewände) aus Sandstein eingebaut. Ob der Sandstein oberhalb der Tür, mit der Jahreszahl 1603 und den Buchstaben FM, tatsächlich aus dem Haus Ritterstraße 38 stammt, ist nicht belegt.

Das Innere ist heute vom Umbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt. Es ist stark unterteilt. Eine kleine sehr eng gewendelte Treppe führt vom Erdgeschoß bis in das Dach hinein. Ihre Traillien (Geländerstäbe) sind feingedrechselt und stammen aus dieser Umbauphase.

Wohl zu der gleichen Zeit wurde auf der Westseite ein kleiner eingeschossiger Anbau in Form einer Utlucht errichtet, um ein weiteres kleines Zimmer zu gewinnen. Er wurde genauso wie der gesamte Westgiebel mit ornamental gestaltetem Schiefer verkleidet. Das kleine Pultdach dieses Anbaus war ursprünglich mit Bieberschwanzziegeln gedeckt und hat heute eine Blechabdeckung.

Das seit 1984 denkmalgeschützte Gebäude beherbergte in den letzten 20 Jahren das Puppenmuseumscafé. Es bot so einen malerischen Ort zum Verweilen in der Oberen Altstadt und konnte sich stets selbstverständlich inmitten der touristischen Highlights Windloch, Alte Münze und Museumszeile präsentieren.

Ein Blick in die Geschichte…

Minden ist die historische Stadt an der Weser mit lebendiger Vergangenheit und abwechslungsreicher Geschichte. Auf Schritt und Tritt sind historische Zeugnisse der über 1200 Jahre alten Geschichte sichtbar. Der Mindener Dom, mittelalterliche Fachwerkhäuser, die Blütezeit der Weserrenaissance und die Preußenzeit prägen das Stadtbild. Ein Rundgang durch Minden gleicht einer Reise durch die Jahrhunderte.

Das Mindener Museum bietet vielfältige Eindrücke in Geschichte und Kultur von Stadt und Region. Interessante Einblicke in die preußisch-brandenburgische Geschichte in Westfalen bietet das Preußen- Museum am Simeonsplatz.

Die Minden Marketing GmbH Tourist Information ist bei der Programmzusammenstellung und Buchung der Programme, Stadtführungen und Weserfahrten sowie anderen Programmpunkten in Minden jederzeit behilflich und hält auch ausgearbeitete Vorschläge für interessierte Gäste bereit.

798: Erste schriftliche Erwähnung der Stadt Minden in den Fränkischen Reichsannalen

um 800: Karl der Große gründet das Bistum Minden

977: Kaiser Otto II. verleiht Bischof Milo von Minden das Markt-, Münz- und Zollrecht

um 1230: Die Mindener Bürger und ihr Rat beginnen unabhängig vom Bischof, ihrem Stadt- und Landesherren, zu handeln

1530: Der Rat erlässt für alle Mindener Bürger eine evangelische Kirchenordnung

1552: Minden erhält das Recht der freien Schifffahrt auf der Weser von Kaiser Karl V.

1627: Kaiser Ferdinand II. verleiht der Stadt das Stapelrecht: Jeder Transport von Getreide und Holz auf der Weser musste in Minden unterbrochen werden, um die Waren zum Verkauf anzubieten

1634: Schwedische Truppen besetzen im

30-jährigen Krieg Minden, das seit 1625 von kaiserlichen Truppen besetzt war, und bleiben bis 1650

1648: Durch den Westfälischen Friedensvertrag werden Stadt und Stift Minden dem Kurfürsten von Brandenburg zugesprochen

1723: Minden wird preußisches Verwaltungszentrum für die Provinzen Minden, Ravensberg, Tecklenburg und Lingen

1759: In der Schlacht bei Minden besiegt Herzog Ferdinand von Braunschweig als Oberbefehlshaber eines Koalitionsheeres (Engländer, Hannoveraner, Braunschweiger, Hessen, Schaumburg-Lipper, Preußen) ein französisch-sächsisches Heer

1806: Minden wird von den Franzosen besetzt

und dem Königreich Westphalen zugeschlagen

1810: Minden gehört zum Französischen Kaiserreich

1813: Minden wird von Preußen zurück erobert und zur Festung ausgebaut

1816: Einrichtung des preußischen Regierungsbezirks Minden

1847: Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn

1873: Aufhebung der Festung

1915/16: Mittellandkanal und Wasserstraßenkreuz verbinden Minden und die Weser mit dem deutschen Kanalwegesystem

1938: Zerstörung der Mindener Synagoge in der Reichspogromnacht

1943 1945: Luftangriffe zerstören Teile der Mindener Innenstadt, unter anderem Dom und Rathaus

1947: Verlegung der Bezirksregierung von Minden nach Detmold