Denkmal des Monats - Dezember 2018

Ostwestfalen Lippe
Bismarckstraße 5 (Lemgo)

Das repräsentative Backsteingebäude dominiert mit seinen Fassaden den weiten Platzraum vor dem Ostertor.

Das Gebäude wurde 1891/92 an der Ecke Ostertorstraße (heute Bismarckstraße) / Bruchweg vom gegenüber wohnenden Holzhändler Wilhelm Volland als „Mieths-Posthaus“ errichtet. Dazu kaufte er von der Witwe Thaler einen 2.687 großen Garten. Der Entwurf stammt von Architekt Hoeltje aus Hannover. Ausführung: Maurermeister Carl Fasse, Lemgo. Noch Ende 1892 wurde das fertiggestellte Gebäude von der Kaiserlichen Oberpostdirektion Minden für 25 Jahre in Benutzung genommen – zu einem Mietpreis von 4.795 Mark im Jahr.

Es handelt sich um einen massiven, zweigeschossigen Backsteinbau auf Natursteinsockel mit gliedernden Werksteinteilen in Formen der niederländischen Renaissance. Der dreiachsige, risalitartig vorgezogene Mittelteil mit Giebel und Türmchen steht über der abgeschrägten Ecke; zu beiden Seiten schließen sich symmetrisch die vierachsigen, über den beiden letzten Achsen übergiebelten Nebenfassaden an.

Die Backsteinflächen der Wände werden horizontal gegliedert durch Werksteinbänder in Höhe der Fensterbrüstungen, der Stürze und der Geschossdecken. An den Ecken locker gereihte Bossenquader, die sich in den Ansätzen der Nebengiebel wiederholen und so aus den bündigen Fluchten eigene Giebelhausfassaden ausgliedern.

Die Öffnungen im Erdgeschoss wurden stichbogig mit Keilsteinen im Scheitel angelegt. Über den geraden Stürzen der Obergeschossfenster befinden sich gemauerte Entlastungsbögen und Scheitelsteine aus Sandstein.

Lebhaft konturierte Rollwerkgiebel, im Hauptgiebel zu beiden Seiten des Erkers, und in den Nebengiebeln über zweibahnigen Pfostenfenstern. Alle Gewände gekehlt.

Der Haupteingang lag ursprünglich in der Mittelachse über kurzer Freitreppe. Am Eingang prangte die Inschrift über den Gaslaternen: „Kaiserliches Postamt“. Darüber Erker mit abgeschrägten Ecken, der sich vor dem Giebel fortsetzt. Über dem Erkerfenster des Obergeschosses fein gearbeitetes Relief mit dem kaiserlichen Reichsadler in profiliertem Rahmen. Im Turmgeschoss Uhr. Schmiedeeiserne Wetterfahne. Steile Satteldächer mit Schieferdeckung.

Um 1900 begann das Zeitalter der Ferngespräche mit der Einrichtung einer „Telephon-Anstalt“ mit öffentlicher „Telephonstelle“ im Postamt. 1918 erwarb die Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung das gesamte Anwesen und errichtete noch im selben Jahr eine Telegraphen-Installation auf dem Dach des Gebäudes.

1954 entstand östlich angrenzend nach Plänen der Oberpostdirektion Münster ein Erweiterungsbau. Zudem wurden am Hauptgebäude etliche Umbauten vorgenommen. Das Uhrengeschoss wurde auf die halbe Höhe reduziert und mit einem flachen Zeltdach abgedeckt. Die Uhröffnung wurde entfernt und das Zifferblatt der Turmuhr direkt auf die Ziegel gesetzt. Das Steinbrückenfenster unterhalb der Turmuhr wurde durch drei kleine Öffnungen ersetzt. Der Haupteingang wurde geschlossen und in den Anbau verlegt. Alle Fenster wurden mit tiefer gelegten Kämpfern erneuert; die Rustikaquaderung des Sockels abgearbeitet, und mit den Schornsteinköpfen verschwanden auch die Dachgauben.

Nachdem im Jahre 2014 die Post die Nutzung des Gebäudes aufgegeben hatte, wurde der nicht denkmalwerte Anbau wieder beseitigt. Die neue Eigentümerin, die Sagner und Heinze GbR, hat das Gebäude umfassend saniert und modernisiert und im Zuge der Umbauarbeiten auch den Haupteingang zurückverlegt. Heute nutzen die sagner-heinze Werbeagentur GmbH und die Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG Filiale Lemgo das alte Postamt in modern gestalteten Räumen.

Quellen: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, 49. Band (Gaul/ Korn) 1983; Homepage der sagner-heinze Werbeagentur GmbH www.sagner-heinze.de/alte-post-lemgo/

Ein Blick in die Geschichte…

Edelherr Bernhard II. zur Lippe (um 1140-1224) gründete die Altstadt von Lemgo um 1190 auf einer Geländeerhebung an einer Furt der Bega und der Kreuzung zweier Fernstraßen. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde südlich angrenzend an die Altstadt die Neustadt gegründet. Um 1365 vereinigten sich beide Städte und erhielten eine gemeinsame Stadtbefestigung. Noch heute umschließen die ehemaligen Wallanlagen als Grüngürtel den Historischen Stadtkern.

Die Stadt Lemgo war nie Residenzstadt, doch entwickelte sie sich schnell zur bevölkerungsreichsten Stadt der Grafschaft Lippe. Seit dem Mittelalter war Lemgo Hansestadt. Der Reichtum der Stadt gründete sich auf den Tuch-, Garn- und Leinwandhandel.

Ehemalige Adelshöfe, große Kaufmannshäuser als Steinbauten oder reich verzierte Fachwerkbauten aus der späten Gotik und der Renaissance sind bis heute als Zeugnisse erhalten.

Nach einem stetigen wirtschaftlichen Niedergang im 16. Jhdt. brachte der 30-jährige Krieg der Stadt den endgültigen finanziellen Ruin und eine Reduzierung der Bevölkerung um fast zwei Drittel. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz ein neuer Aufschwung ein. Lemgo hatte allerdings im 18. Jahrhundert schon eine überregionale Bedeutung als Stadt des Buchdrucks und des Verlagswesens.

Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs die Besiedelung über die Wälle hinaus. Die Stadt überstand den 2. Weltkrieg ohne Zerstörungen und verzeichnete nach dessen Ende ein rapides Bevölkerungswachstum. Sie hat heute rund 43.000 Einwohner und eine sehr gute Mischung von Gewerbe- und Industriebetrieben unterschiedlichster Branchen.