Denkmal des Monats - Juni 2018

Ostwestfalen Lippe
300 Jahre Kapuzinerkirche (Brakel)

Die Brakeler Kapuzinerkirche befindet sich auf einem für die Stadt Brakel seit mehr als 700 Jahren wichtigen Bereich der Caritas und Armenfürsorge. Ende des 13. Jahrhunderts entstand hier das Hospital zum heiligen Geist. Bereits Weihnachten 1302 weihte der Paderborner Bischof Otto den Altar der Hospitalskapelle „zur Ehre der seligen und glorreichen Jungfrau Maria.“

Die 1644 in die Stadt Brakel einziehenden Kapuziner, die der Paderborner Fürstbischof nach Brakel zur Rekatholisierung der Stadt entsandt hatte, übernahmen Hospitalskapelle und das Hospital.

Die Initiative zum Neubau der Kirche ging von Burkhard Bruno Freiherr von Mengersen (1670-1738) aus, der den Paderborner Fürstbischof Franz Arnold von Wolff- Metternich bat, dem Orden eine neue Kirche zu schenken. Architekt der Kirche war der junge Architekt Johann Conrad Schlaun (1695-1773) aus Warburg-Nörde, der mit dieser Kirche sein Erstlingswerk verwirklichte.

Schlaun realisierte einen dem Bauschema der Regeln des Kapuzinerordens entsprechenden Entwurf: eine barocke, einschiffige und vierjochige Saalkirche mit eingezogenem gerade geschlossenen Chor und anschließendem Oratorium, darunter die Mönchsgruft. Der große Hauptaltar mit dem Wappen des Bauherrn, des Fürstbischofs von Paderborn zeigt in dem Gemälde die sog. „Portiunkula-Szene“ (Portiunkula= Kapelle bei Assisi). Das Bild zeigt Christus in Begleitung seiner Mutter, umgeben von Engeln, Christus erscheint dem hl. Franziskus und gibt ihm 1216 den Auftrag, den Ablass zu gewähren.

Der Altar soll eine Nachbildung sein, den Peter Verbrüggen für die Dominikanerkirche Antwerpen anfertigte. Hauptaltar und Seitenaltäre gehen auf Entwürfe des Architekten Schlaun zurück. Die Seitenaltäre sowie die Kanzel stifteten Bruno Freiherr von Mengersen mit seiner Frau Maria Theresia. Die Kanzel ist nur vom Kreuzgang her erreichbar. Eine weitere architektonische Besonderheit weist der Hauptaltar auf. Um den Mönchen aus dem rückwärtigen Brüderchor den Blick auf den Altar und den Zelebranten zu ermöglichen – da sie den Gottesdienst nach ihrer Ordensregel nur von hier aus verfolgen durften – ist ein sich nach vorn verjüngender Durchblick eingearbeitet, der auf der Vorderseite des Altares oberhalb der Altarmensa kaum erkennbar ist. Sechs erhaltene Beichtstühle in dieser vergleichsweise kleineren Kirche bezeugen den Auftrag, den die Kapuziner in ihrer Arbeit sahen.

Trotz des Streites um den ersten Fassadenentwurf gelang es Schlaun, eine dem Armutsideal der Kapuziner entsprechende vergleichsweise schlichte Fassade zu gestalten. Sie gliedert sich durch zwei hervortretende Lisenen, die sich optisch kaum vom gleichen Steinmaterial der übrigen Fassade abheben. Ein verkröpftes Gebälk bildet die Waagerechte, der Dreiecksgiebel mit Kreuz auf der Spitze bekrönt und seitwärts von Abschwüngen begleitet, bildet den ruhigen Abschluss. Nur in der Üppigkeit des Portals hat sich der bischöfliche Bauherr im barocken Stil durchsetzen können. Das darüber gestellte Eisenkreuz entstammt der Altenbekener Eisengießerei aus dem Jahr 1769.

Am Sonntag, den 12. Juni 1718 erfolgte die feierliche Weihe der Kirche.

Das 19. Jahrhundert ist geprägt durch den ersten evangelischen Gottesdienst am 31.10.1831, der Aufhebung des Kapuzinerklosters, der Simultannutzung der Kirche durch katholische und evangelische Gemeinde, der Schenkung der Kirche an die ev. Gemeinde bei Beibehaltung der Simultannutzung und aufkommenden Konflikten, die 1912 zum Verkauf der Kirche an die kath. Kirchengemeinde führten. Die ev. Gemeinde weihte am 22. Mai 1912 den Neubau ihrer Auferstehungskirche in der Bahnhofstraße ein.

Text: Bernd Zymner

Ein Blick in die Geschichte

Die alte Hansestadt Brakel, zwischen Eggegebirge und Weser gelegen, 836 erstmals erwähnt und seit 1229 mit Stadtrechten ausgestattet, gründet auf einer frühstädtischen Siedlung mit Haupthof, Kircheninsel und Höfegruppe im Bereich der heutigen Thystraße. Ca. 500 Einwohner leben hier. Brakel entwickelt sich wirtschaftlich schnell weiter durch Fernhandel aufgrund seiner günstigen Lage am Kreuzungspunkt zweier Handelswege.

Ein Höhepunkt in der mittelalterlichen Stadt ist 1250 der Bau des auch heute noch allseitig auf dem Marktplatz freistehenden Rathauses. Wenig später erhält Brakel mit dem Heilig Geist Spital seine eigene Krankenversorgung. Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Eigenes Gerichtsrecht 1309, eigenes Marktrecht 1316. Schließlich wird 1385 als äußeres Zeichen eine Rolandsäule errichtet. Sie kann noch heute auf dem Marktplatz bewundert werden.

Brakel ist jetzt eine prosperierende Stadt mit 4 Stadttoren, einer geschlossenen Stadtmauer mit 12 Türmen und mausert sich schließlich bis 1817 zur preußischen Kreisstadt mit 2.500 Einwohnern.

Mit 2 Klöstern, 3 Kirchen und einem historischen Rathaus gotischen Ursprungs verfügt Brakel heute noch über einen weitgehend erhaltenen historischen Stadtgrundriss mit 4 Stadtmauern und Wallanlagen, der annähernd 100 Bau- und Bodendenkmäler beheimatet.

Brakel ist aufgrund seiner zentralen Lage am Schnittpunkt der West-/Ostmagistrale (B 64) und Nord- / Südmagistrale (B 252 - Ostwestfalenstraße -) gut angenommene Schulstadt des Kreises Höxter und verfügt auch sonst über zahlreiche übergemeindliche Einrichtungen.

Prunkstück ist jedoch zweifellos der historische Stadtkern, an dem sich bis in die heutige Zeit das mittelalterliche Brakel ablesen lässt. Nicht zuletzt deshalb wurde Brakel im Jahre 1997 in die Arbeitsgemeinschaft „Historische Stadtkerne in NRW“ aufgenommen.