Denkmal des Monats - April 2011

Südwestfalen
Grünsandsteinmuseum (Soest)



Das ehemalige Scheunengebäude, in dem sich heute das Grünsandsteinmuseum befindet, war früher Wirtschaftsgebäude eines großen Anwesens, dessen Hauptgebäude im 18. Jahrhundert der für die Stadt Soest bedeutende Ökonomierat Georg Plange bewohnte.  

Die Scheune ist in der Zeit um 1800 entstanden. Es handelt sich um einen Ständerbau mit verputzten Gefachen auf einem Sockel aus Grünsandstein. Die Fachwerkwand zur Walburger Straße wurde um 1900 in Ziegelmauerwerk ersetzt. Auch bei der Durchfahrt im Süden des Gebäudes handelt es sich um eine spätere Ergänzung. 

Über viele Jahre stand das Gebäude leer und war vom Verfall bedroht. Es war von der Bauhütte der Wiesenkirche erworben worden, um einen Teil der Dombauhütte hier unterzubringen. Da der Platzbedarf zwischenzeitlich anderweitig gedeckt worden war, musste nun eine neue Nutzungsidee gefunden werden. Eine Wohnnutzung wurde als ungeeignet bewertet, da weitreichende Eingriffe in die Denkmalsubstanz erforderlich gewesen wären, um heutigen Wohnstandards gerecht zu werden. Auch andere Nutzungsideen wurden verworfen. 

Mit dem Grünsandsteinmuseum und dem Lapidarium für die Wiesenkirche ist die ideale Nutzung für das Gebäude gefunden worden. Die notwendigen Eingriffe in die Denkmalsubstanz ließen sich so auf ein Minimum reduzieren und der Charakter des Scheunengebäudes konnte erhalten werden.

Seit dem 09.09.2006 ist das Museum ganzjährig kostenlos für Besucher geöffnet. Es vermittelt Wissenswertes rund um den Grünsandstein und zeigt eine Vielzahl von Steinobjekten aus der Wiesenkirche sowie nicht mehr existierenden Soester Kirchen und Klöstern. 

Das Projekt wurde mit Fördergeldern der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der NRW-Stiftung „Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege" und dem Land NRW verwirklicht. Bei der Umsetzung konnten in vorbildlicher Weise handwerkliche Reparaturen und historische Materialien zum Einsatz gebracht werden. Die Holzkonstruktion wurde zimmermannsmäßig repariert, die Gefache mit Lehmziegeln ausgemauert, mit Lehm verputzt und mit Kalkfarbe gestrichen.  

Eine heute weitgehend in Vergessenheit geratene historische Technik kam bei der Dachdeckung des Gebäudes zum Einsatz: Hier wurde die früher übliche Strohdockendeckung verwendet. Dabei werden hinter die Hohlziegel Strohbündel, so genannte Docken, gelegt. Die Docken wirken feuchtigkeitsregulierend, Verhindern das Eindringen von Flugschnee und wirken darüber hinaus als Wärmedämmung. 

Als Denkmal des Monats April 2011 wurde das Grünsandsteinmuseum aus verschiedenen Gründen ausgewählt: Zum einen ist die Scheune einer der wenigen Zeugen des früheren Wirtschaftleben in der Stadt, die den Krieg überstanden haben. Zum anderen zeigt es, wie wichtig die Suche nach einer auf das Gebäude zugeschnittenen Nutzung ist, um dem Charakter eines Denkmals gerecht zu werden. Weiterhin handelt es sich um ein hervorragendes Beispiel für den Einsatz traditioneller Handwerkstechniken und Materialien. Nicht zuletzt, soll auf ein wunderbares Museum aufmerksam gemacht werden, das kostenlos in anschaulicher Weise Hintergründe zu dem Material liefert, durch das Soest so sehr geprägt wird.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gruensandsteinmuseum.de