Denkmal des Monats - Juni 2010

Südwestfalen
Pfarrkirche St. Peter und Paul (Schmallenberg)



Die Urpfarrei Wormbach ist die älteste des Sauerlandes. 1072 wurde die Pfarrei dem Kloster Grafschaft unterstellt. Als Urpfarrei war die Gemeinde Ausgangspunkt für die Christianisierung des oberen Sauerlandes. Einer Legende nach soll der heilige Bonifatius oder einer seiner Schüler in Wormbach ein Kirchlein erbaut haben. Die kirchliche Gemeinde wäre somit in ihren Anfängen vor 754 anzusetzen.

Der westfälische Kirchenhistoriker Heinrich Kampschulte schließt aus der Walburgavereh-rung, dass das Christentum von dem nahen Mainzischen her, dem besonderen Wirkungs-kreis des Bonifatius, kam. Dieser Auffassung folgte auch Franz Fischer, der ebenfalls aus dem Faktum, dass seit langem das Walburgisöl und die heilige Walburga verehrt wurden, ein Zusammenhang zwischen der Wormbacher Gegend und Hessen bestand. Demgegenüber gehen Friedrich Albert Groeteken und Johann Suibert Seibertz davon aus, dass der Ausgangspunkt des Christentums in der Wormbacher Gegend auf Köln hinweist. Zum einen lag Wormbach an der Heidenstraße, die von Kassel über Wormbach nach Köln führte.

Ferner weist auch die Verehrung des heiligen Petrus auf Köln als Ausgangspunkt der Christianisierung hin, weil gerade der Petruskult von Köln aus gefördert wurde. Außerdem deuten auch die Beziehungen zwischen Wormbach und Soest darauf hin. In der damaligen Zeit brachte man aus ungeklärten Gründen die Toten von Soest nach Wormbach. Petrus war auch der Schutzheilige der ersten Soester Kirche.

Des Weiteren stand Soest schon vor 626 in einer engen Verbindung zu Köln. Die Pfarrei Wormbach wurde zudem an erster Stelle auf der Gründungsurkunde des Klosters Grafschaft genannt.

Die romanische Kirche St. Peter und Paul in Wormbach stammt aus dem 13. Jahrhundert. Das Kreuzgewölbe der spätromanischen dreischiffigen Hallenkirche ruht auf drei starken Pfeilern. In den schmalen Seitenschiffen befinden sich einhüftige Stichkappengewölbe. Sehenswert ist die in der europäischen Kirchenmalerei seltene Darstellung der 12 Tierkreiszeichen im Mittelschiff. Im Westjoch sind die Tierkreiszeichen Waage, Schütze, Skorpion und Jungfrau und im Zentrum ein gekrönter Mann, welcher einen Stab in der linken Hand hält. Das Mitteljoch enthält die Tierkreiszeichen Zwillinge, Löwe, Krebs und Stier sowie im Zentrum einen heiligen Diakon. Im östlichen Joch sind Widder, Wassermann, Fische und Steinbock und im Zentrum des Schlusssteines Sonne und Mond dargestellt. Die Sonne als männliche Person schaut nach Westen zum Sonnenuntergang; der Mond in Form einer Frauengestalt blickt nach Süden. Bedeutsam ist die Orgel aus dem 15. Jahrhundert. Die Kirchenorgel, ein Werk des Orgelbauers Peter Heinrich Varenholt, ist eine der ältesten westfälischen Pfeifen-Orgeln. Erwähnenswert ist auch die barocke Innenausstattung der Kirche. Am Kanzelkorb befinden sich die Figuren der vier Evangelisten und der vier lateinischen Kirchenväter.

Still umgeben ist die Pfarrkirche von einem alten Friedhof mit einheitlichen und schlichten Holzkreuzen. Er zählt zu den schönsten in ganz Westfalen und ist mit der Wormbacher Kirche heute ein Anziehungspunkt für viele Besucher.