Denkmal des Monats - Januar 2016

Ostwestfalen Lippe
Die Historische Altstadt (Minden)



„DISSE BORCH SCHALL NUN MYN UNDE DYN SEYN..." ... mit diesen Worten soll der Sachsenführer Widukind der Sage nach seine Festung am Weserufer dem Franken und späteren Kaiser Karl dem Großen übergeben haben. Dieses sagenumwobene Treffen markiert die Anfänge Mindens als Stadt und bietet eine Erklärung ihres Namens.

Minden liegt fünf Kilometer nördlich der Porta Westfalica an der Weser. Hier, an einer Furt, die die bequemste Möglichkeit der Flussüberquerung zwischen Hameln und Bremen bot, entstand auf der linken Weserterrasse um 798 der von Karl dem Großen gegründete Bischofssitz mit Dombezirk.

Während im 11. bis 13. Jahrhundert die Stiftskirchen St. Marien, St. Martini, St. Johannis und St. Simeonis auf der höher gelegenen Terrasse errichtet wurden verblieb das Benediktinerkloster St. Mauritius bis ins 15. Jh. direkt an der Weser um die Furt zu bewachen und bis zum Bau der Brücke (um 1230) den Fährdienst zu verrichten.

An der Mündung der Bastau in die Weser bildete sich spätestens ab dem 12. Jahrhundert die nördlich vorgelagerte Fischerstadt. Auf dem Handelsweg von der Weser nördlich um den Dombezirk zum Markt siedelten schon früh Kaufl eute und Handwerker. Besonders ab dem 13. Jahrhundert beschleunigte sich dieser Prozess, so dass Straßen beidseitig besiedelt und Grundstücke durch Teilung dicht bebaut wurden. Gleichzeitig wurde durch das erstarkte Bürgertum eine erste Stadtmauer errichtet, die das Gebiet aller Kirchen einschloss und nun nicht nur den Dombezirk, sondern das gesamte Gemeinwesen einschließlich der Fischerstadt sicherte. Der Verlauf dieser Stadtmauer sollte in mehreren Befestigungsphasen leicht verändert über 600 Jahre Bestand haben.

In der befestigten Stadt wurden nun auch die bisher großflächigen klerikalen Grundstücke der oberen Terrasse geteilt und bis etwa 1600 eng mit Ackerbürgerhäusern und zugehörigen Wirtschaftsgebäuden sowie Häusern verschiedenster Handwerker bebaut, so dass die Stadt in der Mitte des 16. Jahrhunderts bereits etwa 4100 Einwohner zählte. Als Baumaterial diente zunächst Holz, seit dem 13. Jahrhundert zunehmend auch Sandstein des Weser- und Wiehengebirges und seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Ziegelsteine.

Die Stadtbefestigung wurde nach 1500 und insbesondere im dreißigjährigen Krieg durch Wälle, Gräben, Rondelle und Bastionen mehrfach verstärkt und zu einer Festung ausgebaut. (siehe Vogelschau des Wenzel Hollar von 1657)

Nachdem Minden 1648 Brandenburg-Preußen angegliedert wurde führten nun auch vermehrte Bauten der Regierung und des Militärs zu einer sehr starken Verdichtung in der Stadt. Zum Zeitpunkt der Neupreußischen Befestigung nach 1815 mussten sich 9.000 Bürger und 7.000 Soldaten in der Festungsstadt drängen. Um dieser Enge abzuhelfen und Platz für weitere Soldaten zu schaffen, wurde die Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Süden durch die Anlage der Hausberger Front mit verschiedenen militärischen Großbauten erweitert. Bei dieser letzten Befestigungsphase wurde auch das Glacis als freies Schussfeld um die befestigte Stadt herum angelegt. Es ist noch als bewaldeter Grüngürtel im Stadtgrundriss der seit 1873 entfestigten Stadt gut erkennbar und dient heute der Naherholung.