Denkmal des Monats - Februar 2016

Ostwestfalen Lippe
Ein Blick in die Geschichte... (Bad Salzuflen)



Bad Salzuflen ist im Unterschied zu anderen Städten nicht um das Rathaus oder die Kirche, sondern um die Saline mit der hier vorhandenen Solequelle gewachsen. Im Mittelalter besaßen Kirche und Adel, aber auch Salzufl er Bürger Anteile an diesem Salzgewinnungswerk. Im 16. Jahrhundert befand sich die Saline dann in den Händen einer Salzsiedergenossenschaft. Im 18. Jahrhundert erwarb der lippische Landesherr die Saline, der die veraltete Anlage modernisieren und neue Gradierwerke zur Konzentration der Sole vor den Toren der Altstadt errichten ließ. Seit dem Niedergang der Salzproduktion werden diese Gradierwerke bis heute zu heilmedizinischen Zwecken eingesetzt.

Der Kupferstich zeigt Alt-Salzuflen aus nördlicher Richtung mit der ab 1450 erbauten, fast kreisrunden Stadtmauer mit vier Stadttoren und drei Mauertürmen. Die Mauer umschloss neben der alten Sternberger Plansiedlung und dem Salzhof auch die westlich der Salze gelegenen Meierhöfe und den Heerser Hof am Ostertor. Die Stadttore sind im 19. Jahrhundert abgebrochen worden, von den Mauertürmen ist der sogenannte Katzenturm erhalten geblieben. Ebenso sind noch ca. 400 Meter von dem ursprünglichen Mauerring in Teilen überliefert. Im Zentrum der Stadt befand sich die Saline, über der eine große Dampfwolke aufstieg. Auch diese alten Produktionsstätten auf dem Salzhof sind heute nicht mehr vorhanden. Nur das 1934 über der Paulinenquelle errichtete Brunnendenkmal mit Reliefdarstellungen zur Salzgewinnung erinnert noch an diese bedeutende Epoche.

Der Stadtkern von Alt-Salzufl en mit seinen malerischen Straßen und Plätzen in topografisch reizvoller Lage bildet heute den Mittelpunkt der Großgemeinde Bad Salzuflen mit ca. 52.000 Einwohnern. Bauliche Kennzeichen der Stadt, die 1488 Stadtrechte verliehen bekam, sind die Steingiebel- und Fachwerkbauten der Renaissancezeit. Diese Baulichkeiten geben dem Stadtbild einen unverwechselbaren Charakter und machen die Altstadt Salzuflens zu einem bedeutenden historischen Stadtkern. Nordöstlich der Altstadt grenzt unmittelbar das historische Kurgebiet an. Dieses Stadterweiterungsgebiet der Gründerzeit ist geprägt von eindrucksvollen Logierhäusern und Kurortvillen in der Stilauffassung des Historismus.

 

STERNBERGISCHE PLANSIEDLUNG MIT KATZENTURM

Im Laufe des 13. Jahrhunderts entstand zwischen der heutigen Osterstraße / Am Markt und der Turmstraße eine mittelalterliche Gewerbesiedlung, die auch Sternbergische Plansiedlung genannt wird. Diese stand im direkten Zusammenhang mit der damaligen Salzgewinnung und fand ihren Mittelpunkt im „Hafermarkt". Die platzartige Straßenaufweitung ist auch heute noch im Kreuzungsbereich der Wenkenstraße mit der Ritterstraße und der Obere Mühlenstraße zu erkennen. Bis 1377 hatten die Grafen von Sternberg die Herrschaft über Salzufl en, das sich aufgrund seines Salzreichtums schnell zu einer Minderstadt („Wigbold") entwickelte. Das älteste Salzufler Ratssiegel von 1375 mit den Grundmotiven Salzbrunnen und Stern, die auch das heutige Stadtwappen zieren, stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

 

KURANLAGEN MIT GRADIERWERKE

Die Salzgewinnung war bis 1818 der Hauptwirtschaftszweig in Bad Salzuflen. Als aber die Erkenntnis gewonnen wurde, welche heilende Wirkung die Sole entfalten kann, kam im 19. Jahrhundert der Kur- und Badebetrieb als weiterer Wirtschaftszweig hinzu. Die Gradierwerke wurden, neben ihrer eigentlichen Funktion im Verfahren der Salzgewinnung, ein neuer attraktiver Anlaufpunkt für Kur- und Freizeitgäste. Während die Bedeutung der Salzgewinnung immer weiter abnahm, wurde der Kurund Badebetrieb immer wichtiger. 1907 wurde der attraktive Kurpark angelegt, in dem sich auch heute noch die Wandel- und Brunnenhalle befindet. Die Gradierwerke prägen auch weiterhin den Übergang vom räumlich unmittelbar angrenzenden historischen Stadtkern zu den Kuranlagen. Im Erlebnisgradierwerk direkt am Kurpark besteht sogar die Möglichkeit dieses zu betreten und die salzhaltige Luft unmittelbar zu genießen. Allein für die bestehenden Kuranlagen und Gradierwerke ist Bad Salzuflen immer einen Besuch wert.

 

EV. REF. STADTKIRCHE AUF DEM HALLENBRINK

Die ev. reformierte Stadtkirche auf dem Hallenbrink erlebte in ihrer Geschichte einen häufigen Wandel. Am Aufgang zum Glockenstuhl findet man an derdamals katholischen Kirche einen Stein mit der eingemeißelten lateinischen Schrift: AN[N]O D[O] M[INI] M CCCC (im Jahre des Herrn 1400). Die Kirche ist jedoch im Wesentlichen eine Bauleistung des 18. Jh., als die Kirche bereits unter evangelischen Einfluss stand. Nach dem Brand 1762 blieben nur noch wenige romanische und gotische Bauteile erhalten. Beim weitgehenden Neubau 1762-65 wurde die 2-schiffige Halle in einen Saal umgewandelt. Von der Innenausstattung sind ein barocker Hängeleuchter, ein Teil der Chormöblierung mit Wappen, die Kanzel von 1756 sowie die Bemalung der Fensterlaibungen aus der Zeit erhalten geblieben. Die Spiegeldecke und Möblierung entstammen dem 19. Jh., die Orgel ist von 1964. Die Kirche ist somit Beispiel für die Umgestaltung eines spätgotischen Bauwerks im Sinne andersartig geprägter religiöser Vorstellungen. In ihrer reizvollen Mischung aus spätgotischen und barocken Elementen ist sie über Salzuflen hinaus bedeutsam. Neben dem Rathaus und dem ehemaligen Salzhof ist die Kirche ein wichtiges ortsgeschichtliches Monument. Städtebaulich ist sie aufgrund ihrer erhöhten Lage noch heute wichtigstes Orientierungsmerkmal der Stadt. Zusammen mit der angrenzenden Schule und der Pfarrei, die ebenfalls dem 18. Jh. entstammen, ist ein wichtiges städtebauliches Ensemble erhalten geblieben.