Denkmal des Monats - Mrz 2016

Ostwestfalen Lippe
Gründung der Alt- und Neustadt (Lemgo)



Edelherr Bernhard II. zur Lippe (um 1140 - 1224) gründet um 1190 die Altstadt von Lemgo. Als planmäßige Anlage weist die Altstadt drei von Westen nach Osten parallel verlaufende Straßenzüge auf, die im Osten zusammengeführt gemeinsam in ein Stadttor münden.

Bereits Mitte des 13. Jh. wird südlich der Altstadt die zunächst eigenständige Neustadt gegründet. Der Hauptstraßenzug ist hier in Süd-Nord-Richtung angelegt. Die zwei parallel verlaufenden Straßenzüge in Ost-West-Richtung werden ebenfalls im Osten vor einem Stadttor zusammengeführt.

Beide Städte vereinigen sich 1365 und beginnen mit dem Bau einer gemeinsamen Befestigungsanlage (Mauer, Wall und Grabensysteme).

Der Beitritt zur Hanse und der damit einhergehende Fernhandel der Kaufmannschaft begründen die gute wirtschaftliche Situation und die bedeutende Stellung der Stadt.

 

DIE BAULICHE ENTWICKLUNG DER STADT VOM 13. BIS ZUM 20. JAHRHUNDERT

Als Frühform des Wohnhauses des 13. und 14. Jh. ist ein noch nicht unterteiltes, eingeschossiges hölzernes Wohnhaus mit steilem Satteldach in der Stadt weit verbreitet. In ihm lebt, arbeitet und schläft die gesamte Hausgemeinschaft, während für die Landwirtschaft und das Vieh eigene Gebäude auf den rückwärtigen Grundstücken vorhanden sind. Nur vereinzelt sind hinter den Wohnhäusern steinerne Hinterhäuser vorhanden.

Diese lockere, niedrige, insgesamt weniger dichte Bebauung an den Hauptstraßenzügen im historischen Stadtkern bewirkt, dass Rathäuser, Kirchen und vereinzelte Sonderbauten die städtebauliche Gestalt der Stadt wesentlich stärker dominieren als heute.

Im 15. Jh. führen ein starker Bevölkerungszuwachs durch die schutzsuchende Landbevölkerung und der zunehmende Wunsch nach sozialer Differenzierung in den Hausgemeinschaften zu erster städtebaulicher Verdichtung:

  • Rückwärtige Grundstücksbereiche werden von den bis zu den Parallelstraßen reichenden Hausstätten der Mittelstraße abgeteilt, um an ihnen neue, eigenständige Wohnhäuser errichten zu können.
  • Es kommt vermehrt zum Anbau neuer Hinterhäuser, bei Neubauten dieser Zeit werden sie fester, integrierter Bestandteil des Bauprogramms.

Eine starke Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des 15. Jh. ist vor allem durch bautechnische Neuerungen bestimmt. Mit Ausnahme weniger Hinterhäuser wird ein großer Anteil der profanen Bausubstanz erneuert, wobei bei den reichen Bürgern der Steinbau die ehemals bestehenden Holzbauten ersetzt.

Eine weitere Bauwelle erfasst die Stadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert:

  • Hofzufahrten werden mit Nebenhäusern überbaut,
  • zusätzliche Speichergeschosse werden den Wohnhäusern aufgesetzt,
  • die Fassaden erhalten große Glasbahnenfenster und werden mit Holzschnitzereien und Steinmetzarbeiten sowie Bemalungen versehen.

Diese Neuerungen kommen selbst an kleinen, bescheidenen Bauten zur Ausführung. Die Ende des 16. Jh. bestehende Bau- und Stadtgestalt der Lemgoer Altstadt prägt diese bis heute.

Anfang des 17. Jh. kommt es infolge der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage zum Erliegen fast jeglicher Bautätigkeit. Der Dreißigjährige Krieg bringt der Stadt zusätzlich eine immense Verschuldung und einem enormen Bevölkerungsrückgang von ca. 4.800 auf 1.400 Einwohner. Als Folge der Einwohnerverluste und Leerstände kommt es zur Aufgabe vieler Bürgerhäuser. Überproportional betroffen sind die kleinen, einfachen Hausstätten.

Ende des 17. Jh. sind weite Bereiche insbesondere in der Neustadt wüst gefallen, der Baubestand in den Randbereichen der Altstadt ist lückenhaft.

Anfang des 18. Jh. ist die Stadt nur noch ein bescheidener Ort mit Regionalmarkt. Nur langsam erholt sich die Stadt, noch 1788 wird im „Neuen Westfälischen Magazin" berichtet, Lemgo sei zu einem eingemauerten Dorfe heruntergesunken, in dessen Wällen und Ringmauern Wiesen und Felder liegen.

Eine Mitte des 18. Jh. einsetzende wirtschaftliche Erholung verstärkt sich in der 1. Hälfte des 19. Jh. 1850 wird mit 4.000 Einwohnern annähernd der Stand vor dem Dreißigjährigen Krieg erreicht.

Folge dieser wirtschaftlichen Erholung ist zunächst eine Bauwelle zwischen 1775 und 1790. Die Neu- und Umbauten dieser Zeit sind in Alt-und Neustadt verteilt, prägend treten sie in der Altstadt im Rampendal, in der Neustadt in der westlichen Heustraße jeweils als Fachwerkbauten in Erscheinung.

Im 19. Jh. setzt sich die Wiederaufsiedlung der wüst gefallenen Flächen fort. Weite Bereiche der Neustadt und die nördlichen und südlichen Randbereiche der Altstadt erhalten ihre bis heute überkommene bauliche und städtebauliche Ausprägung. Die Neubauten werden weit überwiegend als Steinbauten errichtet, in der Neustadt und den Mauerstraßen der Altstadt in eher bescheidener Ausprägung.

Ab der Mitte des 19. Jh. beginnt die Besiedlung außerhalb der Wälle. Ende des 19. Jh. wird gleichzeitig mit der Anlage des Bahnhofes auf dem geschliffenen westlichen Wall die Engelbert-Kaempfer-Str. neu angelegt.

 

Quellen:

BAUEN UND WOHNEN IN EINER ALTEN HANSESTADT,

Fred Kaspar, 1985

BAU- UND KUNSTDENKMALE VON WESTFALEN

STADT LEMGO, 1983