Denkmal des Monats - April 2016

Ostwestfalen Lippe
Das Historische Schwalenberg (Schieder-Schwalenberg)



Schwalenberg - Ein kurzer Blick in die Geschichte und auf die Gegenwart

Die Anfänge Schwalenbergs gehen auf die gleichnamigen Grafen zurück, die im frühen Mittelalter ein bedeutendes Adelsgeschlecht waren. Zwischen 1225 und 1231 verlegte Volkwin IV. seinen Sitz auf den Bergsporn bei Schwalenberg. Seine Machtstellung war durch Erbteilung und den Entzug von Lehnsgütern schon geschwächt. Zur Sicherung seines verbliebenen Territoriums begann er nach allgemeinem Vorbild mit Städtegründungen, von denen nur Schwalenberg Bestand hatte.

Doch die Stadt hat eine Vorgeschichte. Bereits 1214 ist eine Burg bezeugt, und der eigentlichen Stadtgründung war wohl die Errichtung eines Zisterzienserklosters „Burghagen" vorausgegangen, möglicherweise am späteren Standort der Stadtkirche, heute der Sakralbau der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde.

Die noch als Restbau vorhandene sowie als Bodendenkmal und durch zeitgenössische und spätere Zeichnungen nachweisbare Burg Schwalenberg wurde um 1230 erbaut.

1231 wurde Schwalenberg erstmals als „oppidum" erwähnt. 1256 / 58 wurden urkundlich Ratsherren und Bürger genannt. Schwalenberg sank bald nach seiner Gründung auf die Stufe eines „Fleckens" herab, der sich allerdings städtische Privilegien bewahren konnte. Diese Entwicklung hing schließlich mit dem Aussterben des Schwalenberger Grafenhauses in der Mitte des 14. Jahrhunderts zusammen.

Die verbliebene Grafschaft stellten 1358 die lippischen Herrscher und das Bistum Paderborn unter eine „Samtherrschaft". Die territoriale Randlage und die komplizierten machtpolitischen Verhältnisse machten Schwalenberg zum Spielball der Besitzer. Durch die umsichtige Politik des letzten Pfandinhabers und Drosten Heinrich von Mengersen erfuhr Schwalenberg eine wirtschaftliche Blütezeit. Der „große Brand" von 1591, aber besonders der Dreißigjährige Krieg, hinterließen in dem Ort tiefe Narben.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts fiel Schwalenberg in den alleinigen Machtbereich des lippischen Herrscherhauses. Das Stadtjubiläum in 1906 nahm Fürst Leopold IV. zum Anlass, Schwalenberg als kleinste Stadt des Landes wieder in den lippischen  Städtereigen aufzunehmen.

Mit der kommunalen Neugliederung von 1970 wurde der Ort ein Teil der neuen Stadt Schieder-Schwalenberg.

In der Arbeitsgemeinschaft der historischen Stadt- und Ortskerne ist das alte Schwalenberg eine der kleineren Perlen, die aber umso wertvoller ist, weil wegen der topographischen Situation im Laufe der Jahrhunderte keine gravierenden Veränderungen an Grundriss und Silhouette vorgenommen wurden.

Die Burg wurde an einem für Festungsbauten typischen Platz errichtet, mit einem Blick weit in die umgebende Landschaft hinein und nur schwer erreichbar; allerdings ist von der ehemals mächtigen, auf dem Bergkamm befindlichen Anlage nur ein kleiner Rest verblieben, auch nicht mehr im Original, sondern Anfang des 20. Jahrhunderts mit Stilelementen der Weserrenaissance überformt. Die Burg ist nach wie vor eines der Wahrzeichen der Stadt und eine von weither sichtbare Landmarke.

Ein weiterer dominierender Bau ist die auf einer Terrasse des Berges, einem Bergsporn, an der nordwestlichen Grenze des Stadtkerns stehende Stadtkirche, die nicht über einen Turm verfügt. Das Geläut befindet sich in einem in die Dachkonstruktion integrierten Dachreiter. Die Fassade weist Stilelemente der Neugotik und der Renaissance auf. Das Innere der Kirche ist wegen der Vielzahl historischer Ausstattungsgegenstände sehenswert.

Zwischen der Kirche und dem steilen Nord- und Westhang schmiegt sich die Stadt sichelförmig um den „Burgberg". Zwischen der Zufahrt von Süden, über die Alte Torstraße, und dem nördlichen Ausläufer nach Osten, der Neuen Torstraße, sind trotz der topographischen Gegebenheiten die drei Straßen eines mittelalterlichen Stadtgrundrisses zu erkennen. Benannt waren diese als Mittelstraße (heute Marktstraße), Untere Straße (heute Brauergildestraße) und Klingenberg. Verbunden sind sie durch Gassen und Treppenwege.

Aus verschiedenen Perspektiven hat der Betrachter interessante Ein- und Aufblicke. Die Stadtsilhouette ist ebenso markant wie der Stadtgrundriss und die Dachlandschaft mit den steilen Satteldächern, von denen noch einige mit den früher häufiger gebräuchlichen Sandsteinplatten („Sollingplatten"; roter Sandstein aus dem Solling) eingedeckt sind. Häufiger sind die mit roten Tonziegeln in der Form der Hohlziegel gedeckten Dächer.

Traumhafte Sichtbeziehungen, vor allem bei Sonnenuntergang über dem Teutoburger Wald mit dem Hermannsdenkmal auf der Grotenburg bei Detmold, hat man von dem an einem Rundweg am Burgberg situierten „Grafenblick". Von dort hatten die Grafen zu Schwalenberg tatsächlich einen guten Blick über die zur Grafschaft gehörigen Umlandgemeinden.

Sieht der Besucher in die Stadt hinein oder bewegt er sich auf den Straßen und in den Gassen, so fallen die für Schwalenberg typischen Fachwerkhäuser ins Auge. Je nach Herkunft und gesellschaftlicher Stellung der Bauherren sind sie mit mehr oder weniger Schmuckelementen, zum Beispiel Schnitzereien an der tragenden Konstruktion und auf Füllhölzern, versehen. Dabei ist auf dem Fachwerk eine Vielfalt an Farben wahrnehmbar, von schwarz über rot („ochsenblutrot") über braun, grün und blau.

Das Rathaus mit dem Kernbau von 1579 (im Stil der Weserrenaissance) und Erweiterungen von 1603 und 1907 (Marktstraße 7) ist eines der architektonisch interessantesten Fachwerk-Rathäuser im norddeutschen Raum. Daneben sind das Gebäude der Apotheke in der Brauergildestraße 21, eine der ältesten Apotheken in Lippe, und das Haus des Drosten Hermann von Mengersen, Marktstraße 32 (ein Drei-Giebel-Vier-Ständer-Haus), besonders zu erwähnen.

Dass Schwalenberg Ausgang des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine der seinerzeit aufstrebenden Künstlerkolonien war, in der vorwiegend Impressionisten arbeiteten und Gemälde in dem Stile des plein air, also der Freiluftmalerei nach der Schule von Barbizon, schufen, belegen etwa die Fassadenbemalung an der früheren Künstlerklause sowie das Vorhandensein vieler Werke in Schwalenberger Häusern.

Auch Schwalenberg wurde im Laufe der Geschichte einige Male Opfern von Feuersbrünsten, und der Dreißigjährige Krieg hat großes Leid über die Stadt gebracht, jedoch erfolgte stets der Wiederaufbau auf dem alten Grundriss. Wegen der Enge in der Stadt sind dort kaum Frei- und Grünflächen zu finden; Treppen und Rampen zu den Häusern sind überwiegend im öffentlichen Straßenraum angelegt.

Eine häufig zum Schutz von Städten errichtete Stadtmauer bestand in Schwalenberg nicht. Am Übergang von Alter Torstraße und Marktstraße (früher Mittelstraße) stand einst ein Stadttor. Im Übrigen wurde die Stadt durch schwer überwindbare dichte Dornenhecken und Geflechte aus dornigen Gehölzen, so genannte „Knicke", unterhalb des Siedlungsrandes geschützt. Noch heute spricht man vereinzelt bei den über Treppen verlaufenden Zugängen in die Altstadt von Knickwegen.

Eine weitere Besonderheit mit Erlebnis-Charakter stellt das heute als technisches Kulturdenkmal geschützte „Stadtwasser" dar, ein etwa 2.200 Meter langer Wassergraben, zur Hälfte in den Nordhang des Burgberges gebaut. Am Siedlungsplatz Schwalenberg selbst gab es wegen des felsigen Baugrundes keine direkte Wasserversorgung in Gestalt von Brunnen. Es wird vermutet, dass die Anfangs des 13. Jahrhunderts in der Region ansässigen Mönche des Zisterzienserordens das Stadtwasser angelegt haben. Es handelt sich um ein hervorragendes technisches Zeugnis der Baukunst aus dem Mittelalter, denn wegen des geringen Gefälles von der Quelle bis zum Ortseingang musste sehr sorgfältig geplant und exakt gebaut werden. Entlang des Stadtwassers, von der Magdalenenquelle bis zum Volkwinbrunnen am Marktplatz, ist ein Wanderweg angelegt.

Schwalenberg kann man getrost als Gesamtkunstwerk bezeichnen.

Die städtebaulichen, bauhistorischen, künstlerischen und kulturellen Werte galt und gilt es zu schützen und zu pfl egen. Zahlreiche Gebäude und das „Stadtwasser" wurden als Einzeldenkmäler in die Denkmalliste der Stadt Schieder-Schwalenberg eingetragen. Der historische Stadtkern ist darüber hinaus mit dem Grundriss, der Gestaltung der Häuserfronten in den Straßen, der Dachlandschaft und der Silhouette als Ganzes als Denkmalbereich durch Satzung geschützt. Die Vielzahl von Denkmälern und der sich in Schwalenberg besonders stark vollziehende demographische und wirtschaftsstrukturelle Wandel erfordert eine besondere Achtsamkeit von öffentlichen und privaten Stellen sowie ein starkes Engagement von Denkmaleigentümern,

Städtebauförderung und Denkmalschutz / Denkmalpflege. Eine Bürgerstiftung kümmert sich um die Bewusstseinsbildung und unterstützt Einzelmaßnahmen im öffentlichen/bürgerschaftlichen Interesse. Die Stadt Schieder-Schwalenberg begleitet die Entwicklung unter anderem durch die Bereitstellung eines Mehrgenerationenhauses als Stätte der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Generationen, in der neben der öffentlichen Hand ehrenamtlich geprägte Vereine verschiedene Aktivitäten entfalten.