Denkmal des Monats - September 2016

Ostwestfalen Lippe
Detmold aus der Luft (Detmold)



Die Historische Altstadt und die planmäßigen Erweiterungen seit 1700

Der historische Detmolder Stadtkern ist in beiden Weltkriegen weitgehend von Zerstörungen verschont geblieben. Sein Erscheinungsbild wird daher bis heute wesentlich durch drei bauhistorische Epochen geprägt:

  • Die frühe Neuzeit mit den nach dem Stadtbrand von 1547 errichteten bürgerlichen Fachwerkbauten im Stil der Weserrenaissance. Dieser erreichtein der zweiten Hälfe des 17. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Mit bescheidenen Ausläufern ist er bis nach 1800 sichtbar.
  • Die spätklassizistischen Putzbauten der Biedermeierzeit (1830 - 1860). Sie umfassen Bürgerhäuser und öffentliche Gebäude. Eine Blütezeit verzeichnen sie zwischen 1830 und 1840, mit Nachzüglern bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
  • Den historistischen Wohnungs- und Geschäftshausbau der Gründerzeit seit etwa 1875 und bis weit über die Jahrhundertwende hinaus.

In die Denkmalliste der Stadt Detmold sind mittlerweile mehr als 700 Baudenkmale eingetragen. Das Spektrum reicht von zahlreichen Fachwerkhäusern in der Altstadt über klassizistische und gründerzeitliche Gebäude im Zentrum und in den angrenzenden Stadterweiterungen bis hin zu fast vollständig erhaltenen alten Hofanlagen und Kirchen in den 25 Ortsteilen, die 1970 nach der kommunalen Neuordnung zur Residenzstadt Detmold kamen.

Auch die beiden herausragenden und überregional bekannten „Glanzstücke", das Hermannsdenkmal auf der Grotenburg über Hiddesen sowie die mittelalterliche Ruine der Falkenburg im Teutoburger Wald oberhalb von Berlebeck sind in der Denkmalliste aufgeführt. Mit mehr als 500 Baudenkmalen findet sich der überwiegende Teil jedoch im Stadtkern. Wiederum die meisten davon liegen innerhalb des Gebietes, für das sich Detmold durch seine Mitgliedschaft in der „Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne" den selbst auferlegten Verpflichtungen zu einer besonders   sorgsamen Erhaltung und behutsamen Entwicklung ihres baukulturellen Erbes unterworfen hat.

Das Fürstliche Residenzschloss mit den umgebenden Nebenanlagen und dem Schlossplatz ist für die Stadt Detmold und die Geschichte des ehemaligen Fürstentums Lippe-Detmold von besonderer Bedeutung. Bezeichnenderweise steht es als Nr. 1 in der Denkmalliste der Stadt, eingetragen am 22.12.1982. Es ist noch immer Wohnsitz des lippischen Fürstenhauses. Die aus der ursprünglichen Befestigungssituation mit umlaufenden Mauern und Graben hervorgegangenen Gartenanlagen repräsentieren mit ihrer Ausstattung durch Brunnen und Denkmale Lehrstücke der Geschichte der Gartenarchitektur. Sie sind zugleich Bestandteil einer einheitlich geplanten Schlossplatzbebauung, an die sich die Stadtviertel anschließen. In ihrer Gesamtheit nimmt die Anlage fast ein Viertel der Altstadt ein. Mit den mächtigen alten Bäumen ist der Park die „grüne Lunge" für das Zentrum.

Am südöstlichen Ende des Burggrabens steht die bereits Anfang des 11. Jahrhunderts erwähnte und ab 1230 als Stadtkirche fungierende Marktkirche; gleich daneben das unmittelbar vor dem fürstlichen Dikasterialgebäude errichtete spätklassizistische neue Rathaus.

Von Mauern umgeben, auf deren Innenseite bereits Häuser errichtet worden waren - zu sehen in der Adolf- und Grabenstraße -, wird die Residenzstadt Ende des 17. Jahrhunderts endgültig zu klein für die wachsende Bevölkerung. Insbesondere die höheren Bediensteten des Hofes finden keinen angemessenen Wohnraum mehr. So entsteht ab 1700 als erste Erweiterung nach Südwesten die barocke Reihenhauszeile der Neustadt und nebenan der Friedrichstaler Kanal als Wasserweg vom Stadtschloss zum geplanten Lustschloss im Büchenberg.

Aus dem Grünland östlich der Neustadt wird im 19. Jahrhundert nach weiterer Parzellierung ein großbürgerliches Villenviertel, geprägt vom Klassizismus und neogotischen Anklängen.

Auch westlich des Friedrichstaler Kanals wird gebaut: das großzügig durchgrünte Stadtquartier zeigt Architekturbeispiele des späten Klassizismus und des Heimatschutzstils bis zur schlichten Eleganz der 1930er Jahre. Entlang der Allee und südwestlich der Paulinenstraße entwickelt sich ein bis heute bevorzugtes zentrales Wohnquartier.

Auf die Stadtbaumeister Leopold Petri (1830 -1909) und Wilhelm von Meien (1828 -1875) geht 1874 ein Bebauungsplan für ein westlich des Burggrabens entstehendes Stadtviertel zurück. Stetige Bevölkerungszunahme und steigender Wohlstand erfordern moderne Wohnquartiere. So wird aus den ehemaligen Viehweiden und Gärten des Bruchs Bauland und Detmold wächst auch nach Westen über die Grenzen der alten Stadtmauern hinaus.

Bürgerproteste, dass damit der Blick ins Grüne verloren geht, führen erstmals zu einer „bürgerlichen" Gartenanlage, dem Kaiser-Wilhelm-Platz. Der karréeförmige Rasenschmuckplatz im Stil der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - nach preußischen Vorbildern des Gartenarchitekten Peter Josef Lenné gestaltet - bildet seitdem das Zentrum der gründerzeitlichen Stadterweiterung. Am südlichen Rand schließen sich an das klassizistische Landgericht öffentliche Bauten wie der ehemalige Lippische Landtag, die Lippische Spar- und Leihekasse sowie die Fürstlich-Lippische Verwaltung an. In den repräsentativen Gebäuden, die ein ganzes Straßengeviert einnehmen, befindet sich heute das Justizzentrum.

 

Literatur/Quellen:

- Eckhard Bergmann: Die Stadtgestalt und Stadtplanung Detmolds um 1900, in: Detmold um 1900, Dokumentation eines stadtgeschichtlichen Projekts, hrsg. von der Stadt Detmold in Zusammenarbeit mit dem Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe, Sonderveröffentlichung, Bd. 72, Bielefeld 2004, S. 15-77.

- Geodatenportal der Stadt Detmold, Bau- und Bodendenkmal, Denkmalwertbegründungen sowie Historische Karten    www.geodaten.detmold.de

 

Weitere Informationen, zahlreiche Aufnahmen historischer Gebäude und Stadtpläne aus früheren Zeiten enthält die Farbbroschüre „Detmold historisch", erhältlich bei der Tourist Information Detmold oder im www.detmoldshop.de für 3 €.