Denkmal des Monats - Oktober 2016

Ostwestfalen Lippe
Stadtgrundriss (Warburg)



Auf den Luftbildern ist die Struktur Warburgs als ursprüngliche Doppelstadt deutlich ablesbar. Die Altstadt erstreckt sich vom Flusstal der Diemel bis hinauf zur Hangkante, oberhalb davon zieht sich die Neustadt den Bergrücken entlang. Im Westen befindet sich zwischen beiden Siedlungseinheiten der ehemalige Burgberg, dessen Fläche seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Friedhof genutzt wird. Alle Bereiche waren jeweils durch eigene Befestigungsmauern nach außen geschützt und zugleich auch untereinander abgegrenzt. Die größten Teile der Mauerzüge blieben  erhalten, weshalb sich die topographische Struktur und damit die Entwicklung der Stadt im Blick von oben besonders gut nachvollziehen lassen. Der Reiz der Panoramaansicht über die Diemel hinweg blieb über die Jahrhunderte erhalten. Bereits 1581 verwies die Überschrift „Warburgum elegans Westphaliae oppidum" auf dem Kupferstich von Georg Braun und Frans Hogenberg auf die - je nach Übersetzungsart - „geschmackvolle", „auserlesene" oder schlichtweg „elegante" Stadt Westfalens.

Am Rand der fruchtbaren Börde lassen sich seit der um 9.600 vor Christus endenden Altsteinzeit Siedlungsspuren nachweisen. Die Region blieb in den nachfolgenden Epochen ein beliebter Siedlungsraum, wofür die Großsteingräber aus dem ausgehenden fünften Jahrtausend vor Christus eindrucksvolle, überregional bedeutende Denkmale darstellen.

Für die Stadtgeschichte liegen die Anfänge in den Jahren um 1000 nach Christus, die früheste urkundliche Erwähnung der Siedlung als „villa" findet sich 1036 im Zusammenhang einer Schenkung des Paderborner Bischofs Meinwerk.

Unterhalb der in karolingisch / ottonischer Zeit, jedoch spätestens um die Jahrtausendwende entstanden Burg hatten sich wohl Handwerker und Händler niedergelassen, deren Siedlung sich entlang der Hangkante bis zur Kirche St. Maria in vinea (d. h. im Weinberg) mit einem vorgelagerten Marktplatz hinzog. Die aus dieser Ansiedlung erwachsene Altstadt Warburg erhielt um 1180 die Stadtrechte. Nur wenige Jahrzehnte später erfolgte um 1228 / 30 auf landesherrliche Veranlassung des Paderborner Bischofs Bernhard IV. die Gründung der höher gelegenen Neustadt Warburg. In sie wurden einige ältere bäuerliche Siedlungen integriert. Durch Zuzug von Kaufl euten entstand ein einflussreiches wirtschaftliches Zentrum an der Straße Kassel-Paderborn. Beide Städte, die ab 1346 der Hanse angehörten, bestanden parallel und selbstständig, handelten jedoch nach Außen und in wichtigen Angelegenheiten auch gemeinsam. Getreide- und Textilhandel sorgten zusammen mit Handwerkern für wirtschaftlichen Erfolg, wodurch die Doppelstadt bis zum Ende des 14. Jahrhunderts der nach Paderborn zweitwichtigste Ort im Bistum wurde. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Probleme im frühen 15. Jahrhundert veranlasste Bischof Dietrich von  Moers den Zusammenschluss beider Städte mit nur mehr einem Rat. Im „groten breff" von 1436 wurden die Vereinbarungen über das gemeinsame Stadtregiment und das zukünftige Zusammenleben niedergeschrieben.

Die spezifische Geschichte der anfänglichen Doppelstadt hatte zur Folge, dass es wichtige kommunale und sakrale Bauten in mehrfacher Ausführung gibt. Als Pendant zu der bereits erwähnten ersten Altstädter Kirche St. Maria im Weinberg erhielt die Neustadt bei ihrer Gründung mit St. Johannes Baptist eine eigene Kirche. Im späten 13. Jahrhundert wies Bischof Otto von Rietberg die Altstädter Kirche dem damals neu gegründeten Dominikanerkloster zu. Kurz vor 1300 entstand darauf für die Altstädter weiter im Tal die neue Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Altstadt und Neustadt hatten vor der Zusammenlegung je ein eigenes Rathaus. Im „groten breff" war vorgesehen, dass mit dem Zusammenschluss auch ein neues gemeinsames Rathaus an „bequemer" Stelle entstehen sollte, was dessen Lage zwischen beiden Städten mit sich brachte. Einer Ratsstube folgte das 1568 fertiggestellte Rathaus, das im frühen 20. Jahrhundert ein Fachwerkobergeschoss aufgesetzt erhielt und damit seine prägende Wirkung für die Stadtsilhouette steigern konnte.

Bei der Planung der Neustadt im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts hat man im Zentrum der Stadtanlage, die im Dreistraßenschema lippischer Gründungsstädte mit spindelförmig parallel geführten Hauptverkehrsachsen konzipiert wurde, eine große Freifläche für Kirche, Rathaus und Marktplatz ausgespart. Diese Situation ist heute nicht mehr so erfahrbar, da das Rathaus bedingt durch weitgehende Zerstörung im Siebenjährigen Krieg (1756 - 63) im frühen 19. Jahrhundert abgebrochen wurde. Auf dem aus Richtung Nordwesten gefertigten Luftbild lassen sich die parallel verlaufenden Straßen und der zentrale Marktplatz mit angrenzender Kirche gut ablesen.

Das aus Richtung Südosten aufgenommene Luftbild der Altstadt zeigt diese mit ihrer etwas heterogeneren Entwicklung. Die älteren Bereiche, die sich ausgehend von der ehemaligen Burg entlang des Hanges in Richtung der ursprünglichen Altstädter Kirche (der späteren Kloster-, heutigen evangelischen Kirche) und ins Tal entwickelten, wurden in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts auf Niveau der Talaue zunächst in planmäßiger Anlage mit zwei parallel geführten Straßen (Josef-Kohlschein-Straße und Bernhardi-/ Klockenstraße) und dazwischen liegendem neuem Marktplatz mit Rathaus vergrößert. Um 1250 erfolgte eine erneute Erweiterung nach Süden, in der die vom Marktplatz Richtung Diemelbrücke geführte Lange Straße zu einer wichtigen Verbindungsachse wurde. Anders als bei der einheitlich gegründeten Neustadt lag die ursprüngliche Altstädter Kirche im Weinberg innerhalb der neu größer gewordenen Stadt nun am Rand. Auch für die spätere Pfarrkirche konnte aufgrund ihrer erst nach den jeweiligen planmäßigen Erweiterungen erfolgten Erbauung kein zentralerer Ort mehr zugewiesen werden. Sie steht etwas vom Marktplatz abgerückt am südöstlichen Rand des Burgberges.

Einen geschichtlichen Überblick über die Stadtentwicklung bietet das Museum im „Stern". Vom Reichtum der Stadt zeugen heute noch die vielen prächtig verzierten und liebevoll restaurierten Fachwerkhäuser.