Denkmal des Monats - November 2016

Ostwestfalen Lippe
Historischer Stadtkern (Blomberg)



"Blomberg de Bleome" (Blomberg die Blume) heißt es in einem alten lippischen Städtereim. Die Blume ist die Rose, das Wappen der Edelherren zur Lippe, die die Stadt Blomberg vor etwa 750 Jahren gründeten.

Damit gehört Blomberg nach Lippstadt (um 1180) und Lemgo (um 1190) zusammen mit Horn (um 1240) zur mittleren Generation lippischer Städte - es folgten noch Detmold (um 1265) und Salzuflen (1488).

Um 1200 wird die erste Burg von Blomberg von Bernhard II., Edelherr zur Lippe, erbaut. Ausschlaggebend für Ihre Errichtung gerade an dieser Stelle war ihre geographische Lage. Am Fuße des Burgberges kreuzten sich nämlich schon im Mittelalter drei bedeutende Handelswege. Die sogenannte Kölnische Landstraße, von Paderborn kommend und weiter nach Hameln führend. Die Frankfurter Straße, die von Kassel kommend weiter nach Rinteln führte, sowie die Straße die von Osnabrück nach Höxter führte. Die Burg sicherte hier das bedeutende Wegekreuz. In der Mitte des 13. Jahrhunderts folgte dem Bau der Burg die Stadtgründung Blomberg. Sie diente zunächst der Aufnahme von Gefolgsleuten des Burgherrn. Die Einwohner nahegelegener Dörfer wurden in das Gemeinwesen einbezogen. Die Siedlung wurde mit Wall, Graben und Dornenhecken befestigt.

Mit der Umwehrung durch eine feste Mauer schuf er die wesentliche Grundlage für die Stadterhebung. Um 1250 erhielt Blomberg das Stadtrecht. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde der Altstadtkern auf seine endgültige Größe erweitert.

Der auch bei den anderen lippischen Städten verwendete Grundriss (‚Drei-Straßen-Schema') teilt den oval angelegten Grundriss der Stadt mit einer Längs- und einer Querachse (Langer Steinweg und Neue Torstraße sowie Kurzer Steinweg und Burgstraße) in vier Stadtviertel auf. Parallel zum Langen Steinweg und der Neuen Torstraße verlaufen im Osten die Kuhstraße und die Petersilienstraße und im Westen die Brinkstraße sowie Teile der Straße Im Seeligen Winkel und Schulstraße. Als Querachse laufen die Burgstraße und der Kurze Steinweg auf den Marktplatz zu und trennen Ober- und Niederstadt. Die längs verlaufenden Straßen sind durch kleinere Gassen miteinander verbunden.

Den südlichen Zugang zur Stadt bildet das noch erhaltene Niedere Tor, im Osten befand sich das Heutor und im Norden wurde später das Neue Tor errichtet. Zwei weitere Mauerdurchlässe gab es im Burgbereich mit der Weinbergpforte und der Kuhpforte.

Da eine Gründungsurkunde wahrscheinlich bereits durch die Zerstörungen in der Soester Fehde verloren gegangen ist, kann man die Gründung der Stadt durch die Auswertung anderer Quellen nur ungefähr auf den Zeitraum zwischen 1231 und 1255 festlegen, wahrscheinlich erfolgte sie um 1250 durch Bernhard III., Edelherr zur Lippe. Die erste Erwähnung Blomberg als Stadt finden wir in einer Urkunde aus dem Jahre 1283. Blomberg war bis zum Jahre 1511 die bevorzugte Residenz der lippischen Edelherren.

Mit einer festen, auch heute noch zum Teil erhaltenen Mauer umgeben, sowie einem steilen Abhang auf der Westseite und einem tiefen Mauergraben auf der Ostseite war Blomberg die am stärksten befestigte lippische Stadt.

Innerhalb der Mauern entwickelte sich auf etwa 330 Hausstellen in unmittelbarer Nähe des Landesherren und an der durch die Stadt geführten Kölner Landstraße mit Handwerk und Handel reges wirtschaftliches Leben. Ausgesprochene Ackerbürger blieben in der Minderheit.

Das Jahr 1447 brachte die fast vollständige Zerstörung der Stadt in der "Soester Fehde" - im Auftrag des Erzbischofs von Köln fielen Tausende von böhmischen Söldnern in Lippe ein und eroberten die Stadt Blomberg, die sie ausplünderten und bis auf die Grundmauern niederbrannten.

Wenige Jahre nach der völligen Zerstörung in der Soester Fehde wurde der Wiederaufbau durch ein besonderes Ereignis gefördert. Eine Frau namens Alheyd Pustekoke hatte nach Ostern 1460 aus der Stadtkirche geweihte Hostien entwendet und kurze Zeit später aus Angst vor Verfolgung in einen Brunnen geworfen. Mittelalterlichen religiösen Vorstellungen entsprechend entwickelte das Brunnenwasser dadurch wunderheilsame Kräfte, was Blomberg zu einem weit über die lippischen Grenzen hinaus bekannten Wallfahrtsort machte. Über dem Brunnen ließ der Landesherr zunächst eine Kapelle und wenig später eine stattliche, im spätgotischen Stil gehaltene Kirche errichten. Zur Versorgung und religiösen Betreuung der zahlreichen Pilger wurde 1468 ein mit vielfältigen Einkünften und Ländereien ausgestattetes Augustinerkloster gegründet.

Im 30jähr. Krieg machte sich die Lage der Stadt an überregionalen Straßen äußerst negativ bemerkbar. Durchziehende Heere belasteten sie durch Kontributionsforderungen und Einquartierungen. Häufig kam es zu Plünderungen, doch die schlimmste Geißel waren die Seuchen, die oft von den durchziehenden oder hier lagernden Truppen in den Ort geschleppt wurden. Lebten in Blomberg im Jahr 1629 noch 1.870 Einwohner, so waren es am Ende des 30-jähr. Krieges nur noch etwa 900. Nur sehr langsam erholte sich die völlig verarmte Stadt von diesen Rückschlägen. Von Kriegszerstörungen blieb Blomberg aber seit 1447 weitgehend verschont. Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ keinen nennenswerten Schaden an den Gebäuden. Der mittelalterliche Stadtgrundriss des 13. Und 14. Jahrhunderts ist deshalb bis heute weitgehend erhalten. Der Stadtkern ist überwiegend mit zweigeschossigen Fachwerkhäusern bebaut. Das Stadtbild wirkt einheitlich und ist von Elementen der Weserrenaissance geprägt. Die Stadtbefestigungen sind vor allem auf der Westseite noch gut erhalten. An der Südspitze der Stadt verfügt Blomberg über das einzige im Kreis Lippe erhaltene Stadttor, das Niedere Tor. Aufmerksamkeit verdient auch der Marktplatz. Durch die Straßenführung jeweils in Verlängerung der vier Seitenfronten wirkt er sehr geschlossen und ist doch von den benachbarten Wohngebieten auf kürzestem Weg erreichbar.

Auch heute zeugen noch erhaltene stattliche Neubauten von Dielenhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert von der wirtschaftlichen Entwicklung Blombergs als Handwerker- und Gewerbestadt. Des weiteren prägen Fachwerkbauten des 18. und 19. Jahrhunderts das Stadtbild. Mit seinen rund 100 unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden bietet die Kernstadt Blomberg ein beeindruckendes Ensemble historischer Bausubstanz.

Erst relativ spät begann die Stadt entlang der Neuen Torstraße, Garten- und Hagenstraße über das spätmittelalterliche Stadtareal hinaus zu wachsen. So wurde das erste Haus außerhalb der Stadtmauer 1863 in der Neuen Torstraße errichtet. Die nördliche und westliche Stadterweiterung begann - eine Entwicklung, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Die Industrialisierung ist in Blomberg eng mit dem Rohstoff Holz verbunden. Mehrere Stuhlfabriken (ab 1885) und die Produktion der ersten Buchensperrholzplatte (ab 1893) prägten über Jahrzehnte die Blomberger Gewerbeentwicklung. Seit den 1960er Jahren wurden Elektrotechnik und Elektronik zu den führenden Wirtschaftszweigen der Stadt.

Durch die Eingemeindung von 18 ehemals selbständigen Dorfgemeinden im Zuge der nordrhein-westfälischen Kommunalreform des Jahres 1970 erhielt die Stadt Blomberg mit ca. 16.000 Einwohnern auf einer Fläche von knapp 100 Quadratkilometern ihr heutiges Gesicht.

 

DIE BURG BLOMBERG

Auf einem Bergsporn oberhalb des Diestelbaches erhebt sich trutzig die wohl um 1200 errichtete Burg Blomberg. Sie war nach der Falkenburg bei Detmold die zweite von den lippischen Edelherren östlich des Teutoburger Waldes errichtete. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Blomberger Burg der bevorzugte Wohnsitz der lippischen Edelherren. Von hier aus trieben sie den Ausbau ihrer Herrschaft im heute als Lippe bekannten Landstrich voran.

Von der ursprünglichen Burganlage, die zunächst sicherlich aus einem damals üblichen Wohnturm mit späterem steinernem Erweiterungsbau bestand, ist nichts erhalten geblieben, da auch die Burg im Jahre 1447 in der Soester Fehde völlig zerstört wurde.

Nach der Zerstörung entstand zunächst der süd-westliche Steinbau, der in der oberen Etage den Rittersaal, im Erdgeschoß zeitweilig die herrschaftliche Münze sowie eine Schmiede beherbergte und im Keller den Weinvorräten des Landesherrn ausreichenden Platz bot. Der Gebäudeteil der Kopfseite (Ostbau) stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist mit der in Sandstein gemeißelten Utlucht und den reichhaltigen Zierschnitzereien vor allem am nördlichen Giebel ein beeindruckendes Zeugnis des Fachwerkbaus in der Epoche der Weserrenaissance. Die Gebäudeteile der Nordseite, u.a. der Marstall, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Seit 1974 wird die Burg als Hotel genutzt.

 

Quelle:

Blomberg: Geschichte-Bürger-Bauwerke, von Heinz-Walter Rolf, Blomberg 1981.

 

DAS RATHAUS

Das Rathaus wurde anstelle eines vermutlich sehr schlichten Vorgängerbaus, von dem vermutlich der im westlichen Gebäudeteil gelegene Gewölbekeller stammt, im Jahre 1587 neu errichtet. Den acht Meter hohen steinernen Unterbau mit der rundbogigen Tür und den zwei- und dreifach gekoppelten Fenstern baute laut eingemeißelten Initialen und Steinmetzzeichen der Blomberger Maurermeister Hans Rade. Von ihm stammen auch die unter den Fenstern des Rathaussaales angebrachten Wappen Graf Simons VI. und der Stadt Blomberg. Der Fachwerkoberbau wurde von Vater und Sohn Henrich und Veit Reckamp errichtet, die vermutlich aus dem Paderborner Raum stammten. Die drei zur Marktseite zeigenden Giebel, die der Südfassade ihr charakteristisches Gepräge geben, wurden im Jahre 1830 in schlichter Form erneuert. Vorherrschendes Element der Zierschnitzereien ist das Zahnschnittmuster, das, wie bei den anderen Zierformen der Renaissancezeit, eine Nachahmung von sonst in der Steinbaukunst verwendeten Mustern darstellt. Ähnlich gestaltet ist die der Neuen Torstraße zugewandte östliche Giebelfront des Rathauses. Hier wurde allerdings auch das zweite Geschoss des Unterbaus in Fachwerk ausgeführt, teils unter Verwendung des Andreaskreuzes, wie man es sonst in Blomberg nicht vorfindet. Das Drempelgeschoss ist quasi in den Giebel mit einbezogen, eine architektonisch ungewöhnliche, aber nach dem Augenschein auch notwendige Maßnahme.