Denkmal des Monats - Mai 2016

Ostwestfalen Lippe
Stadtchronik (Höxter)



Höxter als östlichste Stadt Nordrhein-Westfalens liegt im Zentrum des landschaftlich sehr reizvollen Weserberglands direkt an der Weser. Eine topographisch ansprechende Lage mit Einbettung in der Flussniederung und umgebenden Höhenzügen mit dem Solling auf niedersächsischer Seite und Ziegenberg, Bielenberg und Räuschenberg im Westen und Norden zeichnet die Siedlung aus.

Höxter war im Hochmittelalter eine der ältesten und größten Städte Norddeutschlands. Mehrere günstige Rahmenbedingungen führten zu dieser positiven Entwicklung. Die nahezu hochwasserfreie Lage in der Weserniederung an der Einmündung eines westlichen Zuflusses bildete eine der geographischen Grundvoraussetzungen. Zwei der wichtigsten Handelswege kreuzten sich hier: In west-östlicher Richtung verlief der sog. Hellweg, eine bedeutende Heer- und Handelsstraße. Bei Höxter querte diese Route den in nord-südlicher Richtung verlaufenden Weser-Handelsweg (auch als Bremer Straße bezeichnet). In der Folge entwickelten sich sehr früh feste Weserübergänge (nachgewiesene Brücke bereits 1115). Auch die Gründung der nahegelegenen Reichsabtei Corvey im 9. Jahrhundert war von äußerster Wichtigkeit für die Region und strahlte weit darüber hinaus. Innerhalb der Stadt befanden sich an den Achsen der Handelswege viele Steinhäuser aus gotischer Zeit und renaissancezeitliche Fachwerk- Bürgerhäuser. Es handelte sich um bevorzugte Wohnlagen in der Stadt; hier wurde repräsentativ gebaut. Sehr viele dieser Häuser sind noch heute erhalten.

Im Luftbild sind die Gestalt und die Lage der Altstadt direkt am Strom gut erkennbar.

Der charakteristische halbkreisförmige Stadtgrundriss von Höxter wurde bis an die Weser heran geführt, so dass die mittelalterliche Siedlung nach Süd-Osten durch den Fluss als natürliche Verteidigungslinie geschützt wurde. Zu den übrigen Seiten umwehrten umfangreiche Befestigungsanlagen die Stadt. Sie bestanden aus einer unterschiedlichen Abfolge von Mauern mit Wehrgängen, Wällen und Gräben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts verlief die Stadtbefestigung auch entlang des Weserufers - die Stadt war also vollständig umschlossen. Dieser Abschnitt wurde mit dem Bau der Eisenbahnlinie, die im Stadtgebiet entlang des Flussufers angeordnet wurde, entfernt. Die wichtigsten Stadtzugänge mit entsprechenden Stadttoren lagen an den Fernhandelswegen, die durch Höxter führten.

Von der im 13. Jahrhundert erbauten Befestigung hat sich ein überwiegender Teil des Außenwalls und der Stadtmauer mit Resten von Türmen und des Wehrgangs erhalten. Sie hat eine Länge von ungefähr 2,5 km und umschließt eine Fläche der Altstadt von etwa 42 Hektar. Wie bei den mittelalterlichen sakralen und profanen Steinbauten in der Stadt üblich, ist auch die Stadtmauer aus Buntsandstein errichtet, der im nahe gelegenen Solling gebrochen wurde. Sie besaß eine Höhe von bis zu 6,5 m und wies eine Stärke von 0,6 bis zu 2,0 m auf. Die ursprüngliche Mauerkrone mit der Brustwehr hat sich nicht erhalten. Teilweise sind auf der Innenseite noch steinerne Bögen vorhanden, auf denen der Wehrgang lagerte. Heute wird der Verlauf der historischen Stadtbefestigung in seiner gesamten Länge als Grün- und Erholungsbereich genutzt. Er bildet zusammen mit der Weserpromenade einen grünen  Ring um die Altstadt. Der westliche Bereich (im Luftbild unten) wird durch eine alte Lindenallee geprägt. Hier finden sich  auch noch historische Grabsteine vom ehemaligen Friedhof. Im weiteren Wallverlauf kann man noch gut das mittelalterliche Befestigungssystem mit Doppelgraben, vorgelagertem Wall und Stadtmauer erkennen. Andere Abschnitte stellen sich als landschaftlich gestaltete Parkanlage mit altem Baumbestand dar.

Von der Wallpromenade hat man malerische Blicke auf die Altstadt und die umgebenden bewaldeten Höhen.

Die Siedlung innerhalb der Wallanlage wird durch die übergeordneten Straßenzüge der ehemaligen Fernhandelswege in nord-südlicher und ost-westlicher Ausrichtung und ein dichtes Netz von kleineren Straßen und Gassen gegliedert. Die altstädtische Bebauung zeichnet sich durch eine vielschichtige, kleinteilige und aus unterschiedlichen Entstehungszeiten stammende Gebäudestruktur aus. Vertreten an den Hauptachsen sind die repräsentativen, reich verzierten Fachwerkbauten aus der Spätgotik und der Renaissance, die mitunter noch massiv gebaute, ältere Bauteile aufweisen. Aber auch aus den Bauphasen zwischen Barock und Gründerzeit hat sich umfangreiche Substanz erhalten. Die Straßenzüge am Rande der Altstadt, besonders entlang der Stadtmauer, sind mit ihren vielen einfacheren Fachwerkgebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert nicht minder interessant und reizvoll.

Die große Dichte an wertvoller historischer Bausubstanz in der Altstadt wird dokumentiert durch den Umfang der Denkmalliste mit mehreren hundert eingetragenen Baudenkmalen in Höxter. Nicht zu vergessen und ähnlich bedeutsam für die ansprechende Stadtgestalt ist der Bestand an zahlreichen erhaltenswerten Häusern.

Die Stadt Höxter ist sich dieses Potentials bewusst und unterstützt seit Jahrzehnten den Erhalt und die Pflege dieser baugeschichtlichen Zeugnisse.