Denkmal des Monats - Juli 2016

Ostwestfalen Lippe
Entwicklung des Stadtgrundrisses (Horn-Bad Meinberg)



Die befestigten Städte in Lippe wiesen im inneren Wegenetz der Stadt ein planmäßiges Schema für ihren Grundriss auf. Ältere, den neuen Planungsanforderungen im  Wege stehende Siedlungen wurden dabei teilweise zerstört.

Typisch für die lippischen Städte ist ein System von drei Längsstraßen. In Horn sind diese Straßen die heutige Mittelstraße, die Heerstraße und die Burgstraße mit der Verlängerung durch die Pfuhlstraße. Sie mündeten auf beiden Seiten in ein Stadttor. Der Stadtkern wird durch eine Querstraße - die Nordstraße und Leopoldstaler Straße - gekreuzt.

Das alte Stadtbild Horn teilte sich in zwei von seinen Bewohnern als „oben in der Stadt" und „unten in der Stadt" bezeichnete Teile und topografisch in vier etwa gleichgroße Quartiere. Der obere Stadtteil umfasste die älteren Gebäude der Stadt. In ihm stehen auch heute noch die Kirche, das Rathaus, der Kotzenberger Hof, die Burg, die Kirche und das Stadthaus. Das Drei-Straßen-System der lippischen Stadtgründung ist aus der Vogelperspektive auch heute noch gut zu erkennen.

 

EIN BLICK IN DIE GESCHICHTE ...

Die Stadt Horn entstand aus einer 1093 erstmals urkundlich erwähnten Siedlung an der Kölnischen Landstraße, einem schon im Mittelalter bedeutenden Handelsweg und kann wohl als die erste Stadtgründung unter Bernhard III., geboren um 1200 und Edler Herr zu Lippe von 1230 bis 1265, betrachtet werden. Das Datum ihrer planmäßigen Anlegung kann daher auf die Zeit ab 1230 datiert werden. Die neue Stadt wurde über ein älteres bestehendes Kirchdorf gelegt. Der urkundliche Beweis für die Existenz der Stadt Horn stammt aus dem Jahre 1248. In dieser Urkunde werden ein eigenes Stadtgericht, Bürgermeister und ein Stadtrat genannt und ein Stadtsiegel Horns an die Urkunde angehängt.

Gleich nach der Gründung wurde die Stadt mit einer starken Mauer und einem vorgelagerten äußeren Wassergraben umgeben, die beiden heute in Teilen noch erhalten sind. Die Stadttore werden 1382 urkundlich erwähnt.

Das 16. Jh. - die Renaissancezeit - brachte die Blüte für die Stadt Horn. Handel und Gewerbe erlebten einen rasanten Aufschwung. Trotz zahlreicher Rückschläge durch kriegerische Auseinandersetzungen, vor allem im Dreißigjährigen Krieg, herrschte in der Stadt immer ein gewisser Wohlstand. Dies bezeugen die schönen Bürgerhäuser mit ihren reich verzierten Fassaden am Marktplatz, an der Mittel- und Nordstraße. Einige sind aus hochwertigem Osning-Sandstein gefertigt, der aus Steinbrüchen in der Nähe stammt. Nach dem großen Brand von 1864 entstanden neue Wege und Straßen. Der städtische Raum erweiterte sich. Erste zaghafte Versuche wurden sowohl innerhalb der Stadt, als auch über ihre Grenzen hinaus unternommen, das „lüttge" Horn auf die Anforderungen der sich rasch entwickelnden modernen Zeiten einzustellen oder zumindest vorzubereiten.

Seit 1986 wird der Stadtkern von Horn - seit 1992 als Sanierungsgebiet - grundlegend umgestaltet. Alle öffentlichen Gebäude wurden saniert, die Straßen nach einem an der Historie orientierten Konzept umgestaltet, Verunstaltungen an Fassaden von Privathäusern rückgebaut.

 

MARKTPLATZ

Nach dem Brand wurden von der Stadt bewusst Modernisierungsschritte durch den Neubau des 1864 abgebrannten Rathauses und der Vergrößerung des Marktplatzes eingeleitet. Charakteristisch für das neue Rathaus sind der achteckige, im Volksmund „Butterkerne" genannte Turm, und die beiden übergiebelten Risalite der zum Marktplatz hin gerichteten Front.

Das Franz Hausmann-Denkmal wird auf dem nach dem Brand erweiterten Marktplatz an der Stelle eingeweiht, wo sich vor dem Unglück ein Marktkump, das ist ein Wasserbehälter, und der städtische Schandfahl befunden hatten.

Das Denkmal wurde zu Ehren des Horner Stadtsyndikus, das war ein städtischer Rechtsgelehrter, errichtet.

 

EV.-REF. PFARRKIRCHE

Die heutige Pfarrkirche gehört zu den frühen Gründungen des 9. bis 10. Jahrhunderts. Sie bestand als Tauf- und Pfarrkirche schon lange vor der Stadtgründung. Die Erwähnung der Kirche datiert erst aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die gotische Kirche mit einem noch heute erhaltenen romanischen Westturm hat eine Länge von 40 m, eine Breite von 24,5 m und ist 25 m hoch.

Die Horner Stadtkirche stellte sich also ursprünglich als einschiffige Basilika im romanischen Stil dar, deren Turm und Grundmauern des Chorraumes heute noch erhalten sind. Unter Verwendung des romanischen Fundaments wurden die Süd- und Nordmauern abgetragen und zu einer auf zwei starken Säulen ruhenden, fast quadratischen, gotischen Hallenkirche umgestaltet. Die beiden gleich hoch gestalteten Seitenschiffe und der erweiterte Chorraum sind das Ergebnis einer guten architektonischen Raumgestaltung.

Die alte Turmhaube, gestreckter und wohl auch deutlich höher als die welsche Haube von 1822, wurde 1819 durch Blitzschlag vernichtet.

 

BURG MIT UMFELD

Sehr wahrscheinlich wurde schon bald nach der Gründung der Stadt Horn im Verlauf des Ausbaus der Stadtbefestigung eine Burg errichtet. Erstmals erwähnt wird sie 1330 als „domus lapide", als steinernes Haus.

Bernard V. zur Lippe (1344 - 1365) ließ die Burg ausbauen, wovon die lateinische Inschrift unterhalb des Wappensteins an der Südfassade zeugt, übersetzt „der Edelmann Bernhard, Herr zur Lippe, hat dieses Haus erbaut und vollendet im Jahre 1348". 1656/59 kamen der Turm mit barockem Portal und Treppenhaus sowie der Ostflügel hinzu.

Der Typus des spätmittelalterlichen Steinhauses ist in Lippe nirgends so gut erkennbar wie in Horn. Der ältere (mittlere) Gebäudeteil mit seinen bis zu drei Meter starken Mauern und dem eindrucksvollen Gewölbekeller zeugt trotz der barocken Erweiterung von der Wehrhaftigkeit und äußeren Schlichtheit dieser Bauten. Die Burg diente zunächst als Residenz und Witwensitz der Grafenfamilie, später als Kornspeicher, Gefängnis und Jugendherberge. Heute ist hier das Burgmuseum untergebracht.

In den Jahren der Reformation, wahrscheinlich anno 1538, wurde nahe der Hornschen Burg eine barocke Bruchsteinscheune errichtet, die nochmals im Jahre 1566 vergrößert wurde.

 

MALZDARRE

Der am Neuen Tore um 1500 erbaute runde Festungsturm ist der letzte mittelalterliche Mauerturm, der der Zeit der Kriege standgehalten hat.

Nach dem Jahr 1447, in dem böhmische Truppen Teile Horns zerstörten, und dem Dreißigjährigen Krieg, der große Wunden hinterließ, wurde wahrscheinlich bei Reparaturarbeiten an der Südseite ein Stein mit zum Teil acht verwitterten Buchstaben und der Jahreszahl 1731 eingefügt Auch eine schwere, wohl die schlimmste Belagerung überhaupt (laut überlieferter Geschichte), von 15.000 Franzosen im Siebenjährigen Kriege 1761 haben die Tore überstanden.

Er weist einen Durchmesser 8,5 m und eine Höhe von 17,5 m auf. Die Mauerstärke an der wehrhaften Außenseite beträgt 2,5 m, an der Innenseite 1,8 m. Insgesamt hat er drei Geschosse.

Der Stein über der unteren Turmtür mit dem Wappen der Stadt Horn, denen des Grafen Simon VI., seiner zweiten Gemahlin Elisabeth von Schaumburg und der Jahreszahl 1592, stammt aus dem 1864 abgebrannten Rathause und steht zu diesem Turme in keiner Beziehung.

 

Auszug aus „Stadtgeschichte Horn" von Jens Buchner