Denkmal des Monats - Juli 2016

Südwestfalen
2. Berleburger Stadtkirche (Bad Berleburg)


Der heutige Goetheplatz ist als „Oberer Markt", Standort der 2. Berleburger Stadtkirche, am 20.06.1990 als ortsfestes Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Bad Berleburg eingetragen worden.

„Ab 1574 erfolgte der Neubau einer neuen Kirche auf dem jetzigen Goetheplatz, ihr Werdegang und ihre Einweihung sind eingehend in den Berleburger Chroniken beschrieben.

Ihre Außenmaße waren 12,50 x 23,50 m, Stellung in Nord-Süd, Eingang mit Zugangstreppe im Süden, First ca. 15,50 m hoch, Turm in der Mitte eines Querhauses, das sich nur in der Konstruktion des Daches zeigte. Neben dem Gestühl im Erdgeschoß hatte die Kirche 2 Bühnen oder Emporen, Bänke für die Frauen wurden erst 1586 eingebaut, sie mussten bis dahin während des Gottesdienstes stehen. Der gräfliche Stuhl wurde 1743 in den ehemaligen Schulsaal mit Fenstern zum Kirchenraum ins Obergeschoss verlegt und dafür eine hohe Treppe im Norden angebaut. Im Turmbereich befand sich auch eine kleine Wohnung.

Unter der Kirche war eine Gruft für einen Teil der gräflichen, später fürstlichen Familien, in die man auch die sterblichen Überreste der Toten überführt hatte, die in der ersten Kirche bestattet lagen.

Schlechte Unterhaltungen im 18. und 19. Jahrhundert hatten zur Folge, dass der Bauzustand sich immer weiter verschlechterte, man erwog sogar schon einen Abbruch und einen Neubau, diverse Zeichnungen dazu liegen im Archiv der Landeskirche, eine davon mit Eintragungen und Berichtigungen des großen Baumeisters Schinkel aus Berlin.

1838/1839 muss nach Verfügung aus Berlin die gesamte Kirche abgebrochen werden. Lediglich die fürstliche Gruft bleibt zunächst unberührt. Nun entbrennt ein jahrelanger, erbitterter Streit über den Platz, auf dem ein neues Gotteshaus errichtet werden soll. Ein Teil der Bevölkerung will einen Neubau auf altem Platz, hierzu hatte sich der Fürst sogar bereit erklärt, die Wache, das Torhaus abbrechen zu lassen, damit die notwendige Größe der Kirche möglich wurde. Der andere Teil der Berleburger plädiert für einen Platz „Auf dem Schirm", wie es der erstellte Plan für den Wiederaufbau bestimmt hatte. Der Preußische König persönlich beendet den Disput und entscheidet, die Kirche auf halber Höhe des Schloßberges nach dem Plan zu errichten."

Text- und Bildquelle:

Hans Friedrich Petry (Bad Berleburg)