Denkmal des Monats - August 2016

Südwestfalen
Wohnhaus Krottorfer Straße 59 (Freudenberg)



Das Gebäude „Krottorfer Straße 59" ist ein gutes Beispiel für ein kleinbürgerliches ländliches „Eindachhaus", dass um 1900 erbaut wurde (Eindachhaus = Arbeiten, Wohnen, Vieh für den Eigenbedarf). Hier lebte und arbeitete der Schreiner Jakob Nöh (1869 - 1949) mit seiner Familie.

Das Haus ist ein typisches Beispiel für die Lebensweise der Bevölkerung dieser Zeit. Typisch sind die Grundstücke in der näheren Umgebung außerhalb des Stadtkerns auf dem Hühner gehalten wurden, sowie die zur Eigenversorgung benötigten Lebensmittel angebaut wurden. Auch gab es einen „Baumhof" in der Nähe, auf dem auch heute noch Obstbäume stehen. Hinter dem Haus steht eine Rarität: Ein wunderschön gewachsener Apfelbaum der alten Sorte „Freudenberger Nützerling".

Der ehemalige Stall, in dem ein Schwein gehalten wurde, ist noch erhalten. Um kühl zu haltende Lebensmittel lagern zu können, erhielt dieses Haus einen sogenannten Verdunstungskeller. In diesem Gewölbekeller (preußische Kappendecke) mit Felsboden wurde die Verdunstungskühle genutzt um die Lebensmittel frisch zu halten.

Bereits 1907 baute der Schreiner Jacob Nöh auf einem benachbarten Grundstück eine neue Werkstatt um seiner wachsenden Firma den nötigen Platz zu verschaffen. Die Firma wurde von seinem Sohn Oswald bis Ende der 1960er Jahre weitergeführt und dann geschlossen. Diese ehemalige Werkstatt wird heute von einem seiner Enkel (Berthold Jakob) bewohnt, der die Werkstatt in den 1970er Jahren zu einem Wohnhaus umbaute.

Bei dem Gebäude „Krottorfer Straße 59" handelt es sich um ein seit der Bauzeit um 1900 wenig verändertes, sehr schmales Fachwerkhaus mit schiefergedecktem Satteldach und Zwerchhaus mit Ladeluke. Das Zwerchhaus wurde in der Achse der Hauseingangstür eingesetzt. Der linke Giebel und die Rückseite wurden wahrscheinlich zwischen 1914 und 1920 mit Blechplatten verkleidet. Die rechte Giebelseite wurde bereits zur Bauzeit verschiefert. Die heutige Eigentümerin hat einen Teil der Verschieferung entfernt und das alte Fachwerk freigelegt.

Das sichtbare Fachwerk der Vorderseite ist riegellos und verstrebt. Zwischen Schwelle und Rähm sind die Balkenköpfe sichtbar. Das Haus weist auf der Straßenseite seine ursprüngliche Haustür und seine ursprünglichen Fenster auf. Die historisch wertvollen Fenster sind vierflügelig mit profiliertem Kämpfer im Zweidrittelpunkt.

Die Hauseingangstüre ist eine zweiflüglige Vierfüllungstür, die oberen Füllungen bleiverglast mit profiliertem Giebeldreieck darüber. Die Schlagleiste ist mit Kopf- und Sockelstück ausgeführt. Unter dem ungeteilten Oberlicht ist der Kämpfer mit einem Zahnschnittfries verziert. Die Eingangstreppe wurde in der Vergangenheit bereits erneuert.

Das Gebäude ist bedeutend für Freudenberg, weil es die Fortsetzung der Fachwerkbautradition des Ortes bezeugt und die Wohn- und Lebensweise Freudenberger Bürger um 1900 belegt. Für seine Erhaltung und Nutzung sprechen volkskundliche Gründe, die einhergehen mit den Bedeutungsgründen für die Stadt Freudenberg, hier aber im Vergleich und der Erforschung Resultate für den gesamten westfälischen Raum versprechen.

 

Verwendete Literatur und Quellen:

Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Stadt Freudenberg, Kultur- und Touristikbüro.