Denkmal des Monats - Mrz 2016

Südwestfalen
Museum Wilhelm Morgner (Soest)



Das Museum Wilhelm Morgner im Herzen Soests trägt den Namen eines der bedeutendsten Söhne der Stadt. Der expressionistische Maler und Grafiker wurde am 27.01.1891 in der Rosenstraße 4 geboren. Bereits in jungen Jahren stieg er in die höchsten künstlerischen Kreise um Kandinsky und Franz Marc auf und stellte sein Werk in Ausstellungen der Neuen Secession und des Blauen Reiters aus. Eine große Zukunft schien ihm sicher. Doch dann ereilte ihn das Schicksal vieler seiner Zeitgenossen: Im August 1917 fiel Morgner 26-jährig in Flandern.

Sein künstlerisches Erbe belief sich auf über 2000 Zeichnungen, Gemälde und Drucke. Insgesamt 180 davon stellte die Stadt Soest ab 1930 in einem eigens eingerichteten „Morgner-Gedächtniszimmer" als Teil der städtischen Kunstsammlung im Rathaus aus - der Keimzelle des heutigen Museums.

Im Dritten Reich wurde Morgner geächtet: Seine Werke wurden nach Berlin verbracht, teilweise in der Ausstellung „Entartete Kunst" zur Schau gestellt. Nachdem sie kurz vor Kriegsende unter bislang ungeklärten Umständen wieder nach Soest kamen, wurden sie als provisorischer Ersatz für zerborstene Fensterscheiben missbraucht. Nach dem Krieg wurden sie im Rathaus zwischengelagert.

Ab 1958 sann man nach einer angemessenen Aufbewahrung und Präsentation der Bilder und beschloss den Bau eines Museums für moderne Kunst. Im Verlauf der Planungen wurden noch weitere Nutzungen integriert: Räume für die Volkshochschule, ein Veranstaltungssaal und ein Jazzkeller für „die nicht organisierte Jugend".

Verwirklicht wurde die komplexe Bauaufgabe vom Architekten Rainer Schell. Er entwarf eine schlichte Stahlbetonkonstruktion in Modulbauweise in zeittypischen Formen  und Materialien. Trotz der modernen Gestaltung ordnet sich das Haus hervorragend dem benachbarten romanischen St. Patrokli-Dom unter. Nach außen wirkt es kompakt, ist aber im Inneren großzügig und flexibel angelegt, um der vielfältigen kulturellen Nutzung gerecht zu werden. Auch die zurückhaltende, geradlinige Gestaltung im Inneren unterstützt die Funktion auf ideale Weise.

Doch die Ansprüche haben sich gewandelt: Der Jazzkeller wird längst nicht mehr benötigt und auch die Volkshochschule ist umgezogen. Das nun noch als Museum genutzte Haus wird daher umfangreich saniert und im Frühjahr 2016, im Jahr des 125. Geburtstages Morgners, wiedereröffnet. Die Ausstellungsfläche wird massiv vergrößert, um in Zusammenarbeit mit der Stiftung Konzeptuelle Kunst neben den Werken der städtischen Sammlung auch Objekte der Sammlung Carl-Jürgen Schroth zu präsentieren. Gleichzeitig werden die konservatorischen Bedingungen durch ein neues Klimakonzept weiter verbessert und der barrierefreie Zugang ermöglicht.

Als 1997 der Gedanke an die Unterschutzstellung des Hauses aufkam, entbrannte noch eine sehr kontroverse Diskussion über den Wert der Architektur der 1960er. Heute ist es als bedeutendes Zeugnis der Moderne ein selbstverständlicher Bestandteil des Soester Denkmal-Kanons. Und auch über 50 Jahre nach seiner Entstehung leistet das Museum Wilhelm Morgner weiterhin einen gewichtigen Beitrag zur Stärkung des Kulturstandortes Soest.