Denkmal des Monats - Juni 2016

Südwestfalen
Carlsburg, Friedrichshütte 16 (Bad Laasphe)



Auf einem Felsensporn des Kalkberges, dem Mündungsbereich der Banfe in die Laasphe vorgelagert, wurde die weitläufige Villa Carlsburg kurz vor der Deutschen Revolution 1845 auf den Resten einer alten Rittersschänke für den Freiherrn Carl von Wittgenstein (Nachkomme des Fürsten Friedrich aus 2. Ehe) und dessen Ehefrau Berta geb. von Bach errichtet.

Die Carlsburg wurde von dem fürstlichen Baumeister Grube in 9-jähriger Bauzeit erbaut. Sie diente als Wohnsitz der Barone von Wittgenstein. Das Gebäude befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Friedrichshütte, die von der freiherrlichen Familie von Wittgenstein geleitet wurde. Hierbei handelte es sich um eine Eisenschmelzhütte aus dem 17. Jahrhundert. Später wurde in dem Unternehmen Gusswaren (Öfen) hergestellt. Im Jahre 1971 musste die Friedrichshütte schließen. Von diesem ehemaligen Industriebetrieb leitet sich auch der Name „Friedrichshütte" für dieses Gebiet ab. Um einen Vorort im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht. Das Gelände schließt sich unmittelbar an die Kernstadt von Laasphe an.

Die Initialen des ersten Hausherrn und das Erbauungsjahr zieren das Sandsteinornament über der Eingangstür der Carlsburg.

Der Bau zeigt klassizistische, aber auch historisierende Elemente. In der Mitte springt ein Bauteil, ähnlich einem 5/8 Chor einer Kirche, vor.

Seine Form wird durch senkrechte Pfeilervorlagen hervorgehoben. Gleichzeitig ist der gesamte Bau horizontal durch Simse gegliedert. Unter dem wenig geneigten Walmdach trägt der vorspringende Teil einen Fries mit kleinen Fenstern. Die Fenster sind hauptsächlich im Obergeschoss rundbogig (Anlehnung an den romanischen Baustil).

Hinter dem vorspringenden Teil befindet sich ein Querbau, dem nach Osten ein kleinerer Bau mit einem Treppengiebel vorgesetzt ist. Nach links endet der Querbau in einem kleinen Turm mit spitzer pyramidenförmiger Haube. Insgesamt handelt es sich um einen reich gegliederten Baukörper, der durch seine erhöhte Lage ausgesprochen imposant wirkt.

In dem herrschaftlichen Haus geben viele Details das gesellschaftliche Leben des Biedermeiers wieder. Die großräumige Eingangshalle mit dem gewundenen Treppengeländer, Kaminzimmer, Wintergarten und Weinkeller lassen den Besucher an illustre Empfänge und Gesellschaften denken, Erker und Stallungen an Burg-Romantik erinnern.

Haupt- und Nebengebäude sind seit dem 20.11.1986 in die Denkmalliste der Stadt Bad Laasphe eingetragen.

 

Quellennachweis:

Denkmalwertbegründung des Westf. Amtes für Denkmalpflege vom 16.04.1985