Denkmal des Monats - August 2019

Südwestfalen
Ehem. Pfarrhaus Oberfischbach (Freudenberg)

Geschichte:

Oberfischbach ist eine der ältesten Kirchspielgemeinden im Siegerland. Zu dem Kirchspiel gehören neben Oberfischbach die Ortsteile Bottenberg, Dirlenbach, Heisberg, Niederndorf, Ober- und Niederheuslingen. Aus urkundlicher Überlieferung geht hervor, dass das alte Pfarrhaus in der Amtszeit des Seelsorgers Johann Friedrich Georg Knabenschuh 1713/14 gebaut wurde. Im Frühjahr 1713 wurde mit dem Bau begonnen, am 7. Juli gerichtet und am 1. Mai 1714 konnte das neue Haus bezogen werden.

Das bisherige Pfarrhaus unterhalb der Kirche (heute Kirchweg 2) wurde wegen Baufälligkeit dem Hans Jakob Hofmann überlassen, der es für sich renovierte; allerdings unter der Bedingung, dass die Kirchspielsschule weiter dort abgehalten werden konnte, was auch bis 1805 geschah. Dieses Haus wurde im II. Weltkrieg durch einen Treffer zum größten Teil zerstört und nach dem Krieg neu aufgebaut.

Das neue Pfarrhaus entsprach in der Größe dem heutigen Gebäude. Die Baukosten wurden
zum einen aus Kirchenmitteln und zum anderen durch eine bewilligte Kollekte bestritten. Unter dem Nachfolger Knabenschuhs Johannes Eberhard Goebel wurde 1725 ein Backhaus gebaut und der Garten beim Pfarrhaus angelegt (Vorher auf dem „Höfchen“).

Während Göbels Amtsführung fand hier eine Eheschließung, ganz eigener Art, statt. Eulatia Preußer von Freusburg beschuldigte einen gewissen Paulus Bäumer von Oberfischbach sie unehelich geschwängert zu haben. Die Sache wurde vom Consistorio (Gemeinderat) untersucht und verhandelt. Bäumer aber, wahrscheinlich wegen Indiskretion, in Arrest geführt. Dort erklärte er, dass er sich mit der „Geschwächten“ verheiraten lassen wolle. Diese Erklärung wurde Pfarrer Göbel mit der Bemerkung mitgeteilt, dass der Bräutigam am folgenden Tage durch einige Männer der fürstlichen Garde nach Fischbach gebracht würde. Unter „Aufsicht“ fand dann die Trauung am 8. März 1724 in der untersten Stube des Pfarrhauses statt.

Die Erweiterungen des Pfarrhauses erfolgten 1758/1759 durch Pfarrer Grimm. Er vergrößerte das Haus zur Bergseite hin nach den Plänen seines Vorgängers (Ludwig Christian Schreiber in Oberfischbach 1728-1752). Die Westseite wurde verschiefert und eine Pumpe im Haus eingebaut. Der sich auf der linken Seite des Eingangs befindliche Stall wurde „in eine große schöne Stube“ umgebaut. Das Backhaus wurde erneuert.

Das alte Pfarrhaus diente bis 1959, also zweieinhalb Jahrhunderte, als Pfarrhaus. Danach folgten verschiedene An- und Umbauten. In den 1980er Jahren wurde eine neue Straße durch den Ort geplant. Das alte Haus war zu diesem Zeitpunkt in einem sehr schlechten Zustand und sollte der Straßenführung weichen. Es gab Befürworter und Gegner des Abrisses und viele lebhafte Diskussionen zu diesem Haus. Durch die Vermittlung und den Einsatz von Herrn Hugo Hafer (verstorben 2016) konnte diese verhindert werden. So wurde nur der hintere Teil (zur Walpertalstraße hin) abgerissen. Der 2016 verstorbene Herr Walter Fischbach erwarb das Haus und rettete somit seinen Fortbestand. Herr Fischbach sanierte das Gebäude aufwendig und gab ihm seinen alten Charme zurück. Im Erdgeschoss wurde eine Zweigstelle der Stadtsparkasse Freudenberg betrieben und das Ober- und Dachgeschoss als Wohnraum genutzt. Seit dem die Filiale geschlossen wurde werden die Räumlichkeiten von einer Praxis für Logopädie genutzt.

Baubeschreibung:

Es handelt sich bei diesem Gebäude um ein 2-geschossiges, spätbarockes, nach dem Muster eines Querdeelenhauses errichtetes, teilmassives Fachwerkhaus mit schwach vorkragenden  Fachwerkobergeschoss- und –giebelschildern. Das Gebäude ist durch einen zweischiffigen Längstonnen – Gewölbekeller unterkellert. Dieses Gebäude ist wegen seiner besonderen Baumerkmale ein Dokument der Baukunst Anfang des 18. Jahrhunderts. Außerdem ist dieses Gebäude als Altes Pfarrhaus in kirchengeschichtlicher Hinsicht wertvoll. Darüber hinaus bildet dieses Gebäude Bindeglied zum alten, unter der Kirche angeordneten, Dorfzentrum, Somit kommt diesem alten Pfarrhaus über die genannte Werte hinaus, noch städtebauliche Bedeutung zu. Dies umso mehr, als im Jahre 1983 die Landstraße 565 zwischen dieses alten Pfarrhaus und dem Dorfzentrum verlegt worden ist.

Quellennachweis:

· Herr Teo Schwarz, Oberfischbach

· Buch der ARGE der Oberfischbacher Vereine
„Oberfischbach 1342 bis 2017 mehr als 675
Jahre“

· Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

· Stadt Freudenberg

· Kultur- und Touristikbüro