Denkmal des Monats - Dezember 2019

Südwestfalen
Katholische Kirche (Bad Laasphe)

Die Kirche St. Petrus und Anna ist ein symmetrisches, in Höhe und Breite regelmäßig gestaffeltes Bauvolumen von geschlossenem Charakter. Durch diese Staffelung ergibt sich aus sieben versetzen Abschnitten ein breiter Grundriss, der zur Mitte hin seine größte Tiefe und seine größte Höhe erreicht. Die umlaufenden Glasbänder der Abschnitte liegen in den Versätzen von Grund- und Aufriss und lassen die sieben Abschnitte als eine Folge von dreiseitigen Bügeln erscheinen, bestehend je aus zwei Wandscheiben und einer verbindenden, nach Osten ansteigenden Pultdachfläche. Da die beiden Stirnflächen dieser Reihe der sieben Bügel geschlossen sind, ergibt sich ein Bauwerk von starker autonomer Wirkung, das als Solitär gelesen werden möchte. Das Gebäude liegt auf einer schmalen Bauparzelle, die durch den Vorgängerbau vorgegeben war. Der 1989 angebaute Turm und das anschließende, bauzeitliche Pfarrhaus haben additiven Charakter und greifen nicht in die gestalterische Logik des Kirchenbauwerks ein. Geschlossene und verputze Wandflächen, die verglasten Bänder und die erneuerte Metalldeckung der Pultdächer prägen die äußere Erscheinung.

Der Innenraum entspricht der Grundidee der gestaffelten Architektur mit steigenden Pultdachflächen, allein die mittlere und höchste Wand – die Altarwand – ist um ein Intervall nach innen in den Grundriss versetzt, um dahinter noch die Sakristei aufzunehmen. Durch diese überlegte Abweichung von der Staffelung der Bügel-Abschnitte ergibt sich einerseits eine nahtlose Integration der Sakristei in die Logik des Gebäudes, andererseits im Inneren aber ein zentralisierender Grundriss mit einer vorgerückten Altarzone und einem recht breit und in einem leichten Bogen aufgestellten Gestühl. Die Wandflächen im inneren erscheinen (wie außen) in heller Fläche, die Decken sind durch eine braune Holzschalung ausgezeichnet und der Boden besteht aus rotbraunen Keramikplatten mit Treppenstufen aus grünlichem Stein. Dieses grünliche Material verbindet sich mit den in ähnlichem Stein erstellten liturgischen Orten Altar, Ambo und Stele des Tabernakels.

Historische Entstehungsbedingungen

Der Zuzug von Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten führte 1950 zum Bau einer ersten katholischen Kirche auf dem unteren Teil des vorliegenden Grundstücks. Diese Kirche des Architekten Aloys Dietrich genügte Jahre später nicht mehr und zeigte zudem bauliche Schäden, so dass 1968/69 die jetzige Kirche nach Entwurf von Aloys Sonntag erstellt wurde.

Altarzone

Die Altarzone befindet sich im Gesamtraum mittig vor der östlichen Langseite und ist um ein bis drei Stufen erhöht. Der mittlere Bereich mit Altar und Ambo schiebt sich weit in den Raum.

Ausstattung

Die Erstausstattung der Kirche ist mit Altar, Ambo, Hängekreuz, Leuchtern sowie Tabernakel mit Tabernakelstele vollständig überliefert. Die Metallarbeiten (Kreuz, Leuchter, Tabernakel) stammen von Josef Jost aus Hattersheim, die übrigen Stücke dürften vermutlich nach Entwurf des Architekten in Verbindung mit Josef Jost gearbeitet worden sein. Eine Zusammenarbeit von Architekt und Bildhauer ist für mehrere Orte belegt. Gleichermaßen bauzeitlich ist die Verglasung der Lichtbänder nach Entwurf von Prof. Ludwig Schaffrath, der zu den überregional führenden Glaskünstlern in Deutschland gerechnet wird. Mit den vielfach variierten parallelen Schraffuren greift Schaffrath die diagonalen Teilungen der Glasbänder auf. Zum Denkmalumfang gehören auch Taufstein und Osterleuchter aus dem Vorgängerbau von 1963, außergewöhnlich aufwendige Arbeiten von Eberhard Scholz aus Wingershausen, für die im Neubau ein spezifischer Standort vorgesehen worden ist.

Nicht zum Denkmal zählen die Kreuzwegstationen des Künstlers Ernst Suberg, die aus St. Michael in Feudingen übernommen wurden. Außerhalb des Denkmalumfangs bleiben auch weitere skulpturale Arbeiten wohl von Ernst Suberg sowie eine Marienfigur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die ein Werk des 15. Jahrhunderts nachzeichnet. Auch die 1983 durch die Firma Simon aus Borgentreich-Muddenhagen ergänzte Orgel ist nicht Teil des Denkmals. Als Teil des 1989 ergänzten Turms zum Bestand des Denkmals gerechnet werden, gleichermaßen das Dachkreuz der Kirche, das vermutlich eine Arbeit von Josef Jost ist.

Nebengebäude

Das gleichfalls 1968/69 von Architekt Aloys Sonntag erbaute Pfarrhaus wurde nicht in der spezifischen künstlerischen Logik der Kirche konzipiert. Die Lage des Pfarrhauses seitlich unterhalb der Kirche resultiert aus dem Bauablauf 1968, weil zu dieser Bauzeit der Vorgängerbau mit einem angebauten Pfarrhaus von 1950 noch auf der heutigen Freifläche stand.

Veränderungen und Sanierungen

1983 wurde die Orgel errichtet. 1989 folgte der Anbau des Turms, der einen Aufzug vom Kirchplatz in den Kirchenraum umfasst. 2001 sanierte man die Außenwände und die Dachdeckung mit neuen Oberflächen, die den Denkmalwert jedoch nicht weiter beeinträchtigen. Das Innere der Kirche ist ohne wesentliche Veränderungen.

Die Kirche umfasst eine bauzeitlich geschlossene und künstlerisch hochwertige Ausstattung aus Altar, Ambo, Tabernakel mit Stele, Leuchtern und Hängekreuz, die überlegt aus der Zusammenarbeit von Architekt und Bildhauer Josef Jost entstanden und die bis in die Führung der Treppenstufen des Altarbezirks abgestimmt ist. Taufstein und Osterleuchter aus dem Vorgängerbau von 1963 sind vom Architekten in die Konzeption eingebunden worden. Die Ausstattung ist damit Bestandteil der Raumarchitektur. Dies gilt ähnlich für die Verglasung, die durch parallele Schraffuren in vielfältigen Brechungen die Architektur des Gebäudes als Thema aufnimmt und interpretiert. Als künstlerisch überzeugendes Werk des international anerkannten Glasmalers Ludwig Schaffrath kommt der Verglasung ein hoher Zeugniswert für die architekturbezogene Glaskunst der 1960er Jahre zu. Mit den neutralen Schraffuren und Strukturen unterstützt Schaffrath einerseits die Gebäudearchitektur, mit den blauen Akzenten oberhalb des Altares markiert er gleichzeitig das liturgische Zentrum.

Quellennachweis:

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Denkmalwertbegründung des LWL – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen vom 09.01.2018