Denkmal des Monats - Dezember 2019

Ostwestfalen Lippe
Wasserschloss Reelkirchen (Blomberg)

Die Geschichte des Wasserschlosses Reelkirchen reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als Hermann VIII. von Mengersen das Dorf Reelkirchen und einen Meierhof als Lehen des Bischofs von Paderborn im Jahr 1523 übernahm. 1550 ließ er eine große Scheune (Zehntscheune) auf dem Gelände errichten. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Anlage von einem Wassergraben umgeben, der heute noch von einem Bach gespeist wird. Die Sicherung der Insel erfolgte über eine Zugbrücke. 1566 wurde ein Wohnhaus auf der Insel errichtet. Auf der Südseite der Gräfteninsel befindet sich die wehrhafte Vorburg. Erbaut wurde sie wahrscheinlich in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (z.T. bereits in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts). Nur die Außenseite wurde in verputztem Bruchsteinmauerwerk errichtet, das übrige in Fachwerk. die Außenfront war ursprünglich mit kleinen Fenstern und zwei Schießscharten für Handfeuerwaffen versehen. die westliche Ecke bildet ein kleiner eckturmartiger Vorbau mit Schießscharten. In der Mitte des Flügels befindet sich die rundbogige Tordurchfahrt.

Von den ursprünglich wohl als Wagenremise und Pferdestall genutzten Vorbauten führt eine massive Brücke über die Gräfte. 1617 war die Wasserburg mit dem Gutsbetrieb an die Familien von Bruchhausen verpfändet, die dort bis 1750 lebte.

1755 übernahm die Familie von Mengersen die Anlage wieder. Im selben Jahr ließ Katharina von Mengersen ein neues zweigeschossiges Herrenhaus mit Mansarddach errichten. Es handelt sich um einen schlichten Bau von rechteckigem Grundriss mit Kellergeschoss und zwei Hauptgeschossen. Das Kellergeschoss in Bruchstein, verputzt die Obergeschosse wurden in Fachwerk errichtet und später verputzt. Die Front ist in neun Fensterachsen gegliedert. In der Mitte das Portal, die Tür gerahmt von ionischen Pilastern mit segmentbogiger Verdachung.

Der mittlere Raum des Herrenhauses an der Vorderseite bildet das Treppenhaus. Die einläufige Holztreppe führt, rechtwinklig gebrochen, an den Wänden entlang, hat aber auf beiden Seiten Geländer, dessen Bretter mit flachgeschnitzten Blüten verziert sind; besonders reich sind die Eckpfosten mit kräftigen S-Voluten und flachgeschnitzten Blütenranken, an einer auch ein Papagei, gestaltet. Die Treppe führt bis zum Mansardgeschoss hinauf, die Fortsetzung zum Dachboden ist mit Halbbalustern ausgeführt.

Bemerkenswert ist ein Zimmer im Obergeschoss mit vollständig erhaltener Grisaille-Tapete (um 1810). Die Tapetenmalerei zeigt venezianische Szenen. Sie stammt von einem unbekannten französischen Hersteller und ist nur noch einmal in Deutschland und elfmal in unterschiedlichen Bundesstaaten der USA erhalten.

Bis zum Jahre 2013 blieb die Anlage im Familienbesitz und wurde vor allem im 20. Jahrhundert häufig verpachtet.

von 1907 bis 1935 pachtete Dr. phil. Furcht, ein ehemaliger Handelsschuldirektor, das Herrenhaus und bewohnte es mit seiner vielköpfigen Familie. Zudem betrieb er hier ein Töchterpensionat. Seine Tochter Elsa berichtete vom umtriebigen und illustren Leben in der Anlage: „Die Eltern hatten ein offenes Haus; es waren fast immer Gäste da. Natürlich wurden auf dem Burggraben bei Vollmond Bootsfahrten unternommen und dazu auf Gitarre und Laute gespielt und gesungen. Es gab Gartenfeste mit Lampionbeleuchtung und Schleiertänze auf dem Rasen, im Freien Theateraufführungen.“

Im Jahre 1935 renovierte die Familie von Mengersen das Herrenhaus sowie die Nebenanlagen und den Park der Gräfteninsel und zog wieder selber in ihren Besitz.

Im zweiten Weltkrieg wurde in der Anlage Wohnraum für Flüchtlinge beschlagnahmt. Mitte 1944 mietete sich die „Ruhrchemie“ aus Oberhausen mit einem Stab von Wissenschaftlern ein, die auch ihre wertvolle Patentabteilung hier unterbrachte, um sie vor Bombenangriffen zu schützen.

Bei Kriegsende 1945 bezog eine Abteilung des amerikanischen Secret Service das Anwesen und beschlagnahmte die Unterlagen der „Ruhrchemie“. Familie Mengersen musste ihren Besitz verlassen und konnte ihn erst drei Jahre später wieder bewohnen.

Das Wasserschloss Reelkirchen befindet sich derzeit in Privatbesitz und ist nur in Teilen und zu bestimmten Anlässen zu besichtigen (Sommerfest, Tag des Offenen Denkmals). Die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten nach längerem Leerstand sind dank der Förderung durch den Bund und das Land NRW, aber auch durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe weit fortgeschritten, aber noch nicht beendet.

Der Verein „Wasserschloss Reelkirchen e.V.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen einzigartigen Ort zu einem lebendigen kulturellen und kreativen Knotenpunkt zu entwickeln. Hierbei geht es vor allem darum, Möglichkeiten und Chancen von Kunst und Kultur in ländlichen Regionen aufzuzeigen. Die im Wasserschloss entwickelten Projekte sind in der Regel experimentell, temporär, spartenübergreifend, partizipativ und innovativ. Sie zeigen erfolgreich, dass Kultur in der Fläche ein ebenso zukunftsträchtiges wie spannendes Thema ist. 2018 wurde das Wasserschloss dafür vom Wirtschaftsministerium des Landes NRW als „Creative Space“ ausgezeichnet.

Der Blog www.schloss-projekt.blogspot.de informiert über aktuelle Kunstprojekte des Vereins in der Region ebenso wie über Ausstellungen, Lesungen und andere Veranstaltungen vor Ort.

Ein Blick in die Stadtgeschichte

Die Stadt Blomberg wurde um 1250 von Bernhard III., edler Herr zur Lippe gegründet. Der auch bei den anderen lippischen Städten (Lippstadt, Lemgo, Horn, Detmold) verwendete Grundriss zeigt das bekannte Drei-Straßen-Schema mit einer Hauptstraße (Langer Steinweg), von der z wie Nebenstraßen (Brinkstraße und Kuhstraße) abzweigen. Diese werden durch eine Querachse (Burgstraße, Kurzer Steinweg) wiederzusammengefasst. Eine Grundstücksurkunde ist nicht erhalten, 1283 wird Blomberg erstmals als Stadt erwähnt. Der Name erklärt sich aus der Blume („Blomberg de Bleome“), der Rose als Wappen der Edelherren zur Lippe, bis 1511 war Blomberg deren bevorzugte Residenz. Auf einem markanten Bergsporn gelegen und mit einer festen, heute noch zum Teil erhaltenen Mauer umgeben, galt Blomberg als die am stärksten befestigte lippische Stadt. Handwerk und Handel wurden durch die vorbeiführende „Kölnische Landstraße“, einen wichtigen Zweig des westfälischen Hellwegs (heutige Bundesstraße 1) gefördert.

Die größte Katastrophe in der Geschichte der Stadt Blomberg war ihre nahezu vollständige Zerstörung in der Soester Fehde am 15. Juni 1447. Böhmische Söldner im Auftrag des Kölner Erzbischofs eroberten die Stadt und brannten sie völlig nieder. Die ältesten erhaltenen Häuser in Blomberg konnten in die Zeit des Wiederaufbaus nach dieser Zerstörung datiert werden (Langer Steinweg 20, 1452-55, Neue Torstraße 10, 1450-54, Jahrringdatierung).

Der Wiederaufbau wurde durch ein besonderes Ereignis begünstigt: Eine Frau namens Alheyd hatte nach Ostern 460 45 geweihte Hostien aus der Stadtkirche entwendet und später aus Angst vor Verfolgung in einen Brunnen geworfen. Mittelalterlichen religiösen Vorstellungeb entsprechend wurden dem Brunnenwasser daraufhin wunderheilsame Kräfte zugeschrieben und es entstand eine weit über Lippe hinaus bekannte Sakramentswallfahrt nach Blomberg. Zur geistlichen Betreuung der zahlreichen Pilger gründete der Landesherr, Edelherr Bernhard VII. zur Lippe, 1468 ein Augustiner-Chorherrenstift und besetzte es mit Mönchen aus Möllenbeck bei Rinteln. Anstelle der zunächst errichteten kleinen Wallfahrtskapelle entstand 1462 bis etwa 1485 die erhaltene spätgotische Klosterkirche.

Auf etwa 330 Hausstätten innerhalb der Stadtmauern entwickelten sich kleinstädtischer Handel, Handwerk und Gewerbe. Eine besondere Rolle spielten die Schuhmacher (zeitweilig über 100 Meister) und die Stuhltischler, die schon früh für den Export produzierten. Landwirtschaftlich tätige „Ackerbürger“ bildeten nur eine kleine Minderheit.

Zahlreiche stattliche Fachwerk-Dielenhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert blieben erhalten. Weitere Fachwerkbauten des 18. und 19. Jahrhunderts prägen das Stadtbild bis heute. Mit rund 100 unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden bildet die Blomberger Altstadt ein beeindruckendes Ensemble historischer Bausubstanz.

Erst relativ spät, ab 1863, begann die Stadt über ihre mittelalterlichen Mauern hinaus zu wachsen. Die Industrialisierung ist in Blomberg eng it dem Rohstoff Holz verbunden. Ab 1885 entstanden aus dem örtlichen Tischlerhandwerk mehrere Stuhlfabriken. Zudem wurde hier die erste Buchensperrholzplatte entwickelt, die nachfolgend im Möbelbau eine entscheidende Rolle spielte. Nach dem Niedergang der Stuhlindustrie seit den 1960er Jahren entwickelten sich Elektrotechnik und Elektronik zu den führenden Wirtschaftszweigen der Stadt.

Durch die Eingemeindung von 18 ehemals selbständigen Dorfgemeinden im Zuge der Kommunalreform von 1970 erhielt die Stadt Blomberg mit ca. 16.000 Einwohnern auf einer Fläche von knapp 100 Quadratkilometern ihr heutiges Gesicht.