Denkmal des Monats - Mrz 2008

Südwestfalen
SENIORENWOHNUNGEN KÖNIGSTRASSE 36 (Arnsberg)



Dieses markante Gebäude im Arnsberger Klassizismusviertel stellt ein bemerkenswertes Beispiel einer im Laufe der Zeit wechselnden Nutzung eines Baudenkmals mit der entsprechenden Umgestaltung dar. Errichtet wurde es im Rahmen der durch preußische Bauhilfsgelder geförderten Wohnbebauung der Königstraße in den Jahren 1818 bis 1822. Ursprünglich erbaut als ein Drillingshaus klassizistischer Prägung, wie die beiden nebenstehenden Gebäude mit annähernd gleicher Traufenhöhe, erfuhr das Haus schon bald eine bis heute das Straßenbild dominierende Modifikation.

1889 gründeten die Armen Schulschwestern v.u.L.F. eine Niederlassung in Arnsberg, um hier eine höhere Töchterschule einzurichten. Die Schulschwestern erwarben dieses Gebäude und richteten es für die Nutzung als Kloster und Schule her. Für die Feier der Gottesdienste wurde eine Hauskapelle erforderlich, und zunächst im 2. Stock eingerichtet. Die zunehmende Zahl der Schwestern und Schülerinnen machte 1891 eine Vergrößerung des Gebäudes notwendig. Durch Aufstockung und Aufsetzen eines neogotischen Steilgiebels konnte die Nutzfläche erheblich erweitert werden; die Verbindung neogotischer und klassizistischer Stilelemente ist in dieser Form wohl einzigartig. Das Gebäude überragt seitdem wuchtig die einheitliche Höhe der umgebenden  klassizistischen Wohnbauten und prägt die Königstraße so in charakteristischer Weise. Die Hauskapelle verlegte man nach der Erweiterung in einen der neuen Räume des 3. Stockes.

1898/99 wurde das Haus an der Westseite nochmals durch einfache Nord- und Südflügel erweitert. Anfang der 1990er Jahre gaben die Schulschwestern das Haus auf und seine weitere Nutzung war über Jahre hinweg ungeklärt. 2005 erwarb es ein Investor mit dem Ziel, das repräsentative Gebäude nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten zu sanieren und Seniorenwohnungen einzurichten. Nach Abbruch der nicht erhaltenswerten Erweiterungen von 1898 wurde an der Westseite ein neuer, modern gestalteter Nordflügel errichtet.

Das Gesamtgebäude verfügt jetzt über 23 seniorengerechte Wohnungen und einen Gemeinschaftsraum im Gartengeschoss des sanierten Altbaus. Bei den Sanierungsarbeiten konnten Reste der sakralen Ausmalung der zweiten Hauskapelle im 1891 aufgesetzten 3. Stock sowie Holzimitationsbemalungen im Treppenhaus beobachtet und dokumentiert werden. Insgesamt ist das Baudenkmal geprägt durch die Spuren der unterschiedlichen Nutzungen in verschiedenen Zeiträumen, zunächst klassizistisches Wohnhaus, dann Kloster und Schule mit neogotischen Beifügungen und jetzt, modern ergänzt, seniorengerechte Wohnungen in bester Innenstadtlage.