Denkmal des Monats - Februar 2008

Südwestfalen
GEBÄUDE AM KIRCHPLATZ 10-18 (Bad Laasphe )


Der Kirchplatz, etwas erhöht auf angeschwemmten Geröllmassen von Lahn und Laasphebach gelegen, ist der ursprüngliche Siedlungskern der Stadt Bad Laasphe. Die Häuser gruppieren sich im Bogen um die Kirche und die mächtigen Tonnengewölbe, die in einigen Kellern noch vorhanden sind, deuten auf eine sehr alte Verteidigungsanlage hin. Der Kirchplatz diente bis zum Jahre 1595 auch als Begräbnisplatz; die älteste urkundliche Erwähnung von Kirchturm und Kirchhof stammt aus dem Jahre 1230. Der Steinweg, im Mittelalter die Haupterschließungsstraße der Stadt, führte über den Kirchplatz. An der heutigen Brunnenstraße schieden sich damals Unter-, Hinter- und Vorderviertel der Stadt. Das Laaspher Einwohnerverzeichnis vom 7.11.1682  ordnete die Häuser diesen Stadtvierteln zu.

Am 22. Mai 1683 traf Laasphe ein schweres Brandunglück, wobei 14 Häuser auf dem Kirchplatz und in der Hintergasse (heute Wallstraße) abbrannten, darunter das erste Pfarrhaus Kirchplatz 10. In der Not fand man viel Hilfe. Mit zahlreichen Spenden, zum Teil auch aus Hessen und Nassau, konnten die Häuser bald wieder neu errichtet werden.

Bereits am 28.10.1683 konnte das Pfarrhaus Kirchplatz 10 gerichtet werden. Die Inschrift dazu ist beim Gebäudeumbau im Jahre 1891 durch Putz verdeckt worden. Sie lautet:

Sub alis D.P.O.M. Jure dominioque illustr. et generosis D. D. Gustavi comitis de Sayn Wittgenstein et Hohenstein Dmni. Clementissimi ligna dedit patriae pater advexere politae, pastoris Cura stat molitoris opus.

Übersetzung: Unter den anderen durch das Gesetz und die Herrschaft Berühmten und Edelgeborenen, des Grafen von Gottes Gnaden, Gustav von Sayn, Wittgenstein und Hohenstein, des allergnädigsten Herrn, Holz gab. Unter der Leitung des Pfarrers als Erbauer steht dieses Werk.


Die Inschrift ist eine Huldigung an den Grafen Gustav Otto zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1633-1701), der im Jahre 1683 anstelle seines verstorbenen Bruders, des Grafen Ludwig Christian, die Herrschaft über Wittgenstein angetreten hatte. Er übernahm die Südgrafschaft Wittgenstein in einer wirtschaftlich miserablen Verfassung und mit enormen Schulden.

Das Gebäude Kirchplatz 10 war Wohn- und Amtssitz des Ersten Pfarrers bzw. „Geistlichen Inspektors“, ein Amt, das 1581 in Wittgenstein nach der Niederländer reformierten Kirchenordnung eingeführt worden war und die Aufsicht über eine Anzahl Kirchengemeinden, Schulen und über das Armenwesen beinhaltete. 1891 wurde das traufenständige Haus umgebaut. Es erthielt einen Vorbau (Mittelrisalit mit Schwebegiebel) und ein großes Fenster im zentralen Treppenhaus.

Das Haus Kirchplatz 12 hat vom 1. Stockwerk an einen Vorbau, der in Erdgeschosshöhe von zwei Pfosten getragen wird. Dieses Haus liegt im Unter-Hinterviertel. Nach dem Brand von 1683 wurde es wieder aufgerichtet von Anna Elisabetha Hofmann  am 09. Juni 1687 durch den Baumeister Christian Feuring.

Im Laaspher Kirchenbuch befindet sich hierzu folgender Eintrag: „Anno 1687. Den 13. Juni zur erden bestattet Johan Gerhard Conradi, alt 37 Jahr. Dieser als Er an Elisabeth Hofmannin Hauß, neben der Inspection (Kirchplatz 10) den 11. Juni heben“ (d.h. aufschlagen), nacher Haus gangen, ist er an dem geheimen Orte seines Hauses Schlaftrunken plötzlich aufgeschreckt, von dem Sitz vorwärts in den Stall unterhalb gestürzt, hat den Hals gebrochen und ist mit einem Schlage gestorben“.  Er hinterließ Ehefrau und zwei Kinder.

Vermutlich sind auch die Häuser Kirchplatz 14-18 in dem gleichen Jahr 1687 aufgerichtet worden. Hinweise auf Balkeninschriften hierzu fehlen jedoch.

Das Gebäude Kirchplatz 14 wurde in den Jahren 1985 bis 1990 zum Teil entkernt und durchgebaut, jedoch unter Erhaltung der gesunden Bausubstanz.

Kirchplatz 16/18 ist ein Doppelhaus mit einer Teilung in der Längsrichtung. Dieser Haustyp war früher in Laasphe häufiger anzutreffen.

Auch die anschließenden Häuser Nr. 20 und 22 sind vermutlich nach dem Brand von 1683 wieder aufgebaut worden. Das Gebäude Nr. 22 war das zweite Pfarrhaus, das sogenannte Diakonat. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden diese beiden Gebäude für die Errichtung des Gemeindehauses niedergelegt.



Die Bewohner der Häuser Nr. 63-69

(heute Kirchplatz 10-22) nach der Zählung vom 7.11.1682

Nr. 63:   Inspektor (Superintendent)

Franz Kellenbach, dessen Hausfrau,

3 Kinder, 1 Knecht, 2 Mägde

8 Personen

Nr. 64:   Des Rentmeister Hoffmanns Witwe,

2 Kinder, 1 Knecht, 1 Magd                     5 Personen

Nr. 65    Johann Jost Banff, dessen Frau,

3 Kinder, der Eidam (Schwiegersohn),

seine Frau, 1 Kind

8 Personen

Nr. 66    Johann Jost Keller

4 Kinder, seine Mutter                        6 Personen

Nr. 67    Corporal Fischer

1 Magd, 1 Kind, ein Beisitzer (Mieter)        4 Personen

Nr. 68    Michel Knebel („Knebl“)

Seine Frau, 6 Kinder

Sein Schwager, 1 Knecht, 1 Magd         11 Personen

Nr. 69    „Capell.“ (Kaplan, 2. Pfarrer,

auch Diakon) Horn, seine Frau,

seine Schwester, 5 Kinder, 1 Knecht,

1 Magd                              10 Personen

Durch den Brand vom 22. Mai 1683 wurden somit 52 Bewohner am Kirchplatz obdachlos.

Die Häuser Kirchplatz 10-18 sind die ältesten am Kirchplatz erhaltenen Gebäude. Sie wurden 1985 in die Denkmalliste der Stadt Bad Laasphe eingetragen.

Quellennachweis:

„Geschichte des Kirchspiels Laasphe bis 1834“ von Oberpfarrer Ph. Schmidt.

„Alte Inschriften an Pfarrgebäuden in Laasphe“  von Gustav Bauer.

„Laaspher Haus- u. Scheuneninschriften“ von Lyzeal-Oberlehrer Karl Hartnack, Elberfeld, 1927.

„Das fürstliche Haus zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein“ von Ulf Lückel u. Andreas Kroh, 2004.