Denkmal des Monats - April 2008

Südwestfalen
LOGENHAUS ROSSKAMPFFSGASSE 1 (ehem. “von viebahnscher hof” oder auch “der Schlingworm” (Soest)



Das Haus hat eine sehr wechselvolle noch heute am Gebäude abzulesende und zu erfahrende Geschichte erlebt. Sie ist, wie auch die des im Mittelalter hier stehenden Gebäudes und die Bewohnergeschichte, seit dem 15. Jahrhundert gut dokumentiert. Im Mittelalter war das Gebäude der Sitz der Kettlers. Ihnen folgten im Erbgang die Schlingworms, daher der zweite Beiname. Im 30-jährigen Krieg brannte das Gebäude herunter und wurde neu errichtet. Nach einem in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erschienenen Aufsatz soll der Land- und Stadtgerichtsdirektor von Viebahn das Gebäude 1840 errichtet haben. Proportionen des Gebäudes, Dachform und insbesondere die Vorkragungen des Obergeschosses und des Dachgeschosses sprechen jedoch für das 18. Jahrhundert als Baudatum. Das heute noch im Wesentlichen unveränderte Gebäudes ist daher wahrscheinlich ein im Jahre 1762 von Thomas Stute neu errichteter Bau. Von Viebahn hat seinen neuen Wohnsitz wohl nur gründlich modernisieren lassen. An Letzteren erinnert noch der oben genannte erste Beiname des Hauses.

Im Jahre 1873 erwarb die 1808 gegründete Loge „Zur Bundeskette“ das Anwesen und baute es für ihre Zwecke um. Da Ende des    19. / Anfang des 20 Jahrhunderts die Logen sehr großen Zuwachs hatten, wurde das Haus schnell zu klein und 1908 durch einen rück wärtigen Saalanbau vergrößert. Während des 2. Weltkriegs diente dieser Saal dem Roten Kreuz zur Betreuung verwundeter Soldaten.

Im Jahre 1935 wurde die Loge gezwungen sich aufzulösen und das Haus an die Stadt Soest zu verkaufen. Diese übergab es an die Hitlerjugend-Bannführung zur Nutzung. Spuren des damaligen Umbaus belegen eine mittelalterlich verklärte, historisierende Gestaltung. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft vermietete die Stadt Soest das Gebäude an die vereinigten evangelischen Kirchen als Gemeindehaus. Ab 1947 durfte die Loge das Gebäude wieder mit benutzen und erhielt, nach einem Urteilsspruch des Landgerichts Arnsberg, am 01. Juli 1950 ihr Eigentum zurück.

Durch sein Bauvolumen, die klar und symmetrisch gegliederte Fassade sowie das hohe Kellergeschoss zählt der frühere von Vie   bahn'sche Wohnsitz zu den guten Beispielen der Repräsentationsarchitektur des 18. Jahrhunderts in Soest und zeugt von den komfortablen Wohnbedingungen der sozialen Oberschicht des 18. und 19. Jahrhunderts. Dieses wird unterstützt durch seine exponierte Lage im Kreuzungsbereich von Steingraben, Niedergasse und Roßkampffsgasse. Es handelt sich um einen wichtigen Baukörper, der diesen Bereich nach Norden abschließt. Vor allem aus der Niedergasse und vom Steingraben aus gesehen, ergeben sich malerische Blickbeziehungen auf das stattliche Fachwerkhaus, das diesen für die historische Altstadt typischen Bereich entscheidend prägt. Daher ist das Gebäude aus bau- und sozialgeschichtlichen, stadtgeschichtlichen sowie städtebaulichen Gründen denkmalwert.

Als Denkmal des Monats April 2008 wurde es ausgewählt, weil es die Bauten seiner Zeit beispielhaft repräsentiert und an seiner wechselvollen Geschichte sowohl den Wandel der bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert wie auch die Folgen von Kriegen und nationalsozialistischer Herrschaft ablesbar sind.