Denkmal des Monats - Juni 2007

Südwestfalen
Besteckfabrik Hesse - Technische Museum (Schmallenberg)



Im idyllischen Lennetal, nordöstlich des Schmallenberger Stadtteils Fleckenberg, liegt die ehemalige Besteckfabrik der Familie Hesse. Bis 1974 wurden hier in Serienproduktion 28 Bestecke verschiedener Art hergestellt, vom Tortenheber bis zur Zuckerstange. Rund 40 Beschäftigte fanden hier Brot und Arbeit. Die Produkte wurden in die ganze Welt exportiert, zunächst auf der Eisenbahnverbindung Altenhundem-Meschede, die jedoch 1964 stillgelegt worden ist.

Jahrhundertelang waren neben der Muskelkraft auch die Wasser- und Windkraft Energiequellen des Menschen. Insbesondere die sauerländische Landschaft mit ihren zahlreichen Flüssen und Bächen, bot gute Voraussetzungen für die Nutzung der Wasserkraft. Von der Lenne unterhalb Schmallenbergs wurde ein 900 m langer Wassergraben angelegt, im Volksmund "Hammergraben" genannt, der das Wasserrad und später die Turbine antrieb. Über Transmissionen wurden dann die Stanzen und übrigen Maschinen zur Herstellung der Bestecke in Bewegung gesetzt.

So bildet das Herz der Besteckfabrik nach wie vor eine im Original erhaltene Kraft- und Antriebseinheit im Erdgeschoss. Sie besteht aus einer Turbine mit Generator und einer Transmissionsanlage. Mit dem Wasser der Lenne erzeugt die Turbine über einen Generator elektrischen Strom. Mit der so gewonnenen Energie können die Elektro-motoren, die Heizungen der elektrolytischen Bäder und die Beleuchtungsanlagen mit Elektrizität versorgt werden. Heute treibt eine neue Turbine einen neuen Generator an. Die Kraft der Turbine kann auch direkt auf die umfangreiche Transmissionsanlage übertragen werden, die von einem zentralen Punkt aus die Pressen und Walzen der Besteckfabrik antreibt. Erst in den fünfziger Jahren wurden zwei neue Pressen mit eigenen Antriebs-motoren erworben.

Alle Maschinen werden von einer Durch-strömturbine entweder über Transmissionen oder über Strom angetrieben. Vom Rohstück bis zum Versand kann der gesamte Werdegang eines Besteckes nachvollzogen und dokumentiert werden. Die Besteckfabrik Hesse ist eine der ganz wenigen Industrieanlagen in Westfalen mit vollständiger, archaisch anmutender Originalausstattung. Die Produktionsschritte eines Kaffeelöffels sind noch heute vollständig darstellbar.

Angesichts ihrer Bedeutung wurde die gesamte Fabrikanlage im November 1990 in die Denkmalliste der Stadt Schmallenberg eingetragen. Bestandteile des Denkmals sind neben dem Gebäude auch die komplette Einrichtung und Maschinenausstattung, ebenso die Wasserkraftanlage einschließlich Ober-graben, Stau- und Turbinenanlagen.

Nach der Einstellung der Besteckproduktion war die Fabrik viele Jahre ungenutzt. Neues Leben in den Fabrikräumen wie Presserei, Schlosserei und Packerei entstand mit der Gründung des Heimatvereins Fleckenberg. Dieser setzte sich zum Ziel, die ehemalige Besteckfabrik Hesse zu erhalten und als Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach einer umfassenden Restaurierung konnte sie dann als Technisches Museum am  08.09.2000  feierlich eröffnet werden.

Viele Besucher sind seit dem dort gewesen und haben sich ins Gästebuch eingetragen. „Bevor man den Löffel abgeben muss, sollte man hier gewesen sein“ ist u. a. darin zu lesen. Informationen zum Technischen Muse-um sind im Internet unter www.besteckfabrik.com zu finden.

E-Mail: info@besteckfabrik-fleckenberg.de