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Nordrhein-Westfalen

Historischer Stadtkern Telgte

Stadtgeschichte

Ihren Ursprung verdankt die Stadt Telgte einer Emsfurt, an der ein bedeutender Handelsweg nach Osnabr체ck und Bremen abzweigte. Stark frequentiert war auch der alte M체nsterweg, der s체dlich von Telgte nach Paderborn und Minden f체hrte. Die ersten nennenswerten Ansiedlungen entstanden im 12. Jahrhundert. Sp채testens 1137 wird Telgte als Dorf mit einer M체hle genannt.

1238 erfolgte die Stadterhebung durch den Bischof und Landesherrn Ludolf von Holte. Die damit verbundenen Rechte, z.B. M채rkte abzuhalten oder Wegegeld einzuziehen, sicherten dem Bischof und den Stadtbewohnern regelm채횩ige Eink체nfte. Typisch f체r eine mittelalterliche Stadt war die Stadtbefestigung, die Schutz vor Angriffen bot und den st채dtischen Rechtsbereich vom agrarischen Umland abgrenzte. Die Stadtmauer entstand um 1370, als Bischof Florenz in der N채he der 얟ro횩en M체hle eine Burg, die sogenannte Florenzburg, errichten lie횩. Bis auf den Bereich der Ems umschloss die Mauer, die drei Tore hatte, ringf철rmig die Stadt. Vor jedes Tor pflanzte man eine Linde, von denen die Marienlinde am M체nstertor noch erhalten ist. Nach dem Ende des Siebenj채hrigen Krieges 1763 wurde die Stadtmauer niedergerissen. Die st채dtische Verwaltung regelten B체rgermeister und Rat, im Kirchspiel bildeten sich erst im Laufe der Jahrhunderte eigene Verwaltungsstrukturen heraus. Sitz des Magistrats war das Rathaus am Markt; es war zugleich Gerichtsstube und st채dtische Waage.

Auch in Telgte haben Katastrophen, wie gef채hrliche Krankheiten oder Br채nde, Auswirkungen auf das Leben der Einwohner gehabt. Der gro횩e Stadtbrand 1499 verw체stete weite Teile der Stadt, darunter die Umgebung der Pfarrkirche und das Rathaus. Als 1599 die Pest grassierte, fiel ihr die H채lfte der Stadtbev철lkerung zum Opfer. Seit dem 14. Jahrhundert gab es vor den Toren der Stadt, wo heute das St. Rochus-Hospital steht, ein Leprosenhaus, in dem die Kranken versorgt wurden. Auch von Kriegen blieb Telgte nicht verschont; nach dem Drei횩igj채hrigen Krieg (1618-1648) stand im Kirchspiel Telgte mehr als die H채lfte aller Bauernh철fe leer.

Die Erwerbsgrundlage der Stadtbewohner lag weitgehend im Handwerk, vor allem in der heimischen Tuchmacherei und der Strumpfwirkerei. Die Landwirtschaft spielte eine untergeordnete Rolle, auch wenn viele B체rger Ackerland au횩erhalb des engeren Stadtbezirks besa횩en oder gepachtet hatten. Ebenso war der Fernhandel von geringer Bedeutung, obwohl Telgte Mitglied der Hanse war. Einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor bildeten zahlreiche Kram-, Vieh- und Jahrm채rkte, von denen sich der seit 1616 bestehende Mari채-Geburts-Markt bis heute erhalten hat.

Als wichtigstes Merkmal ihrer Stadt empfinden die Telgter seit 체ber 400 Jahren die Marienwallfahrt. F체rstbischof Christoph Bernhard von Galen legte 1654 den Grundstein f체r die Wallfahrtskapelle, die das um 1370 entstandene Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes beherbergt. Es spricht viel daf체r, dass die Piet횪 von einer Bruderschaft oder Gilde gestiftet wurde. Seit 1904 ist sie offiziell von der katholischen Kirche durch Papst Pius X. als Gnadenbild anerkannt.

Nach dem Ende der f체rstbisch철flichen Herrschaft erlebte Telgte eine Zeit des Umbruchs. Die Stadt wurde zun채chst preu횩isch, stand dann zwischen 1806 und 1813 unter franz철sischer und anschlie횩end wieder unter preu횩ischer Administration. Die drei Gemeinden Telgte-Stadt, Telgte-Kirchspiel und Westbevern wurden politisch zu einer B체rgermeisterei zusammengefasst, die 1844 in Amt Telgte umbenannt wurde. Damals hatte das Amt knapp 5200 Einwohner. Die Einbeziehung Westbeverns hatte durchaus historische Wurzeln, da Westbevern gemeinsam mit Ostbevern vom 7. bis zum 12. Jahrhundert zur Urpfarrei Telgte geh철rt hatte. Obwohl alle drei Gemeinden weitgehend selbst채ndig blieben, bestanden zwischen Stadt und Umland enge und vielf채ltige Verflechtungen. Ein bemerkenswertes Ereignis war 1859 die Er철ffnung des Knickenbergschen Instituts, einer h철heren Knabenschule mit Internat. Die Schule bestand bis Ostern 1936. Noch bevor die Stadt Telgte 1887 an das 체berregionale Verkehrsnetz der Eisenbahn angeschlossen wurde, erhielt Westbevern-Vadrup 1871 eine Bahnstation. Die Anbindungen waren wichtig f체r die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Telgte. Trotz des allm채hlichen 횥bergangs zur industriellen Produktion blieb der Amtsbezirk aber auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Weimarer Zeit hinein sehr beschaulich und industriell wenig entwickelt. Ein Gl체cksfall war daher 1932 die Ansiedlung der Firma Winkhaus, die Schl철sser und Baubeschl채ge produzierte.

W채hrend des Zweiten Weltkrieges verloren mehrere hundert Telgter ihr Leben. Die Stadt selbst blieb von den Auswirkungen des Bombenkrieges verschont. Seit der Macht체bernahme Hitlers waren die j체dischen Familien einer systematischen Verfolgung, Vertreibung und schlie횩lich Vernichtung ausgesetzt. Die Synagoge war 1938 niedergebrannt worden; der Begr채bnisplatz war 1942 v철llig zerst철rt. Heute erinnern 얭tolpersteine vor den ehemaligen Wohnh채usern an die ermordeten Juden, eine Gedenkstele im 철ffentlichen Raum der historischen Altstadt ist allen Opfern des nationalsozialistischen Terrorregimes gewidmet. In der Nachkriegszeit war die Behebung der Wohnungsnot das vorrangige Problem der lokalen Verwaltung. Bedingt durch den Zustrom von Fl체chtlingen und Vertriebenen war die Einwohnerzahl im Amtsbezirk von 9.698 im Jahr 1939 auf 13.852 im Jahr 1949 angestiegen.

1968 kam es zum Zusammenschluss der Gemeinden Telgte-Stadt und Telgte-Kirchspiel zur neuen Stadt Telgte. Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 wurde auch Westbevern mit den Ortsteilen Dorf und Vadrup in die Stadt eingegliedert. Damit war das Amt Telgte aufgel철st. Obwohl die Stadt eine weitere Zugeh철rigkeit zu M체nster anstrebte, setzte die Landesregierung die Zuordnung zum Kreis Warendorf durch.